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EU-Tabakpolitik

E-Zigaretten: Bericht für die EU-Kommission weckt weiter Skepsis

Ein wissenschaftlicher Ausschuss munitioniert die EU-Kommission in ihrer skeptischen Haltung zu E-Zigaretten. Auf ein mögliches Schadensminimierungspotenzial gehe der Bericht nicht ein, wird Kritik laut.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
E-Dampf bleibt für die EU-Kommission in vielerlei Hinsicht ein Buch mit sieben Siegeln.

E-Dampf bleibt für die EU-Kommission in vielerlei Hinsicht ein Buch mit sieben Siegeln. Der Wissenschaftliche Ausschuss der EU-Kommission für Gesundheits-, Umwelt- und Schwellenrisiken kann seinem Auftraggeber keinen klaren Kurs in puncto E-Zigaretten vorgeben.

© picture-alliance / landov

Brüssel. In puncto E-Zigaretten gibt es für den Wissenschaftlichen Ausschuss der EU-Kommission für Gesundheits-, Umwelt- und Schwellenrisiken (Scientific Committee on Health, Environmental and Emerging Risks/SCHEER) noch viele ungeklärte Fragen. Das geht aus seinem jüngst veröffentlichten Bericht hervor, der der EU-Kommission als Auftraggeber als Richtschnur für deren künftigen E-Dampf-Kurs dienen soll.

So sei nicht geklärt, welche Rolle der E-Zigaretten-Konsum mit Blick auf unerwünschte Gesundheitswirkungen habe. Auch sei offen, ob sie den Einstieg in eine Raucherkarriere erleichterten, wie die Vertreter der Gateway-Hypothese immer wieder ins Feld führen. Suchtforscher hingegen klassifizieren mit Verweis auf vorliegende Raucherstudien dies als widerlegten Unfug.

Zudem sei nicht klar, welche Rolle die Nutzung der Liquids beim Rauchausstieg spielten, heißt es in dem Bericht für die EU-Kommission. Zu diesem Punkt verweisen Suchtforscher vor allem auf das Schadensminimierungspotenzial (Harm Reduction), da die E-Dampf-Lösungen im Vergleich zu konventionellen Tabakzigaretten ein auch in wissenschaftlichen Studien und vom Bundesinstitut für Risikobewertung attestiertes, um bis zu 95 Prozent niedrigeres Schadensprofil aufwiesen.

„Positive Erkenntnisse kaum gewürdigt“

Aus Sicht von Professor Heino Stöver, Direktor des Instituts für Suchtforschung an der Frankfurt University of Applied Sciences, sei es „bedauerlich, dass auf den immerhin 122 Seiten des Reports die zahlreichen positiven Erkenntnisse und Studien in Bezug auf die E-Zigarette kaum gewürdigt werden.“ Sowohl beim Thema der gesundheitlichen Risiken als auch ihrer Funktion in der Rauchentwöhnung ziehe sich eine negative Grundhaltung gegenüber alternativen Rauchentwöhnungshilfen durch den Bericht.

„Das SCHEER hatte eigentlich die Aufgabe, eine unabhängige Untersuchung der Thematik durchzuführen. Dieses Ziel wurde offensichtlich klar verfehlt“, so Stövers Fazit. So könne das im EU-Krebsplan formulierte Ziel, Europa bis 2040 rauchfrei werden zu lassen, nicht erreicht werden, prognostiziert er.

„Wir können unser Ideal eines rauchfreien Kontinents nur erreichen, wenn wir den Harm Reduction-Ansatz endlich gleichberechtigt in die Anti-Rauchpolitik einbeziehen. Eine ergebnisoffene Debatte wäre EU-seitig ein erster Schritt in die richtige Richtung und könnte vielen Raucher den Umstieg auf weniger schädliche Produkte ermöglichen“, ergänzt Stöver.

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