Sterbebegleitung

Ehrenamt im Hospiz ist Frauensache

Ehrenamtliche Sterbebegleitung ist ein Engagement meist älterer Frauen und hängt auch von der regionalen Struktur ab.

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BERLIN. Fast jeder dritte Deutsche wünscht sich, dass er die Endphase seines Lebens in einem Hospiz verbringen kann, jeder Fünfte würde sich dabei auch eine Begleitung durch Ehrenamtliche erhoffen.

Die Realität ist davon weit entfernt, wie eine Studie zur Ehrenamtlichkeit und zum bürgerschaftlichen Engagement in der Hospizarbeit zeigt, aus der erste Ergebnisse am Donnerstag in Berlin vorgestellt worden sind.

Die Studie war vom Deutschen Hospiz- und Palliativ Verband beauftragt worden und umfasst eine Repräsentativbefragung der Bevölkerung, eine Online-Umfrage unter Ehrenamtlichen in der Hospizarbeit sowie strukturierte Gruppengespräche mit ehrenamtlichen Helfern, Ärzten und Profis ambulanter Pflegedienste.

Es ist die erste wissenschaftliche Arbeit, die systematisch die Bedeutung, Funktionsweise und Organisation bürgerschaftlichen Engagements in der Hospizarbeit untersucht.

Von den Befragten, die Angehörige oder Freunde beim Sterben begleitet haben, gaben nur sieben Prozent an, dass der Verstorbene kurz vor seinem Tod in einem Hospiz versorgt worden ist, bei sechs Prozent waren auch ehrenamtliche Begleiter dabei.

Bereitschaft grundsätzlich hoch

Die grundsätzliche Bereitschaft zu bürgerschaftlichem Engagement in einem Hospiz ist relativ hoch: 17 Prozent aller Befragten können sich dies vorstellen – aber nur ein Prozent praktiziert es.

Das Ausmaß ist wesentlich abhängig vom sozioökonomischen Status: Unterschichten zeigen kein freiwilliges Engagement – hingegen ist der Wunsch nach Hospizversorgung und ehrenamtlicher Begleitung nahezu gleich verteilt.

Tatsächlich den besten Zugang zur Hospizversorgung haben allerdings Personen mit hohem sozioökonomischen Status, mit zwölf Prozent doppelt so viele wie Personen aus Unterschichten.

Nicht zuletzt liegt dies auch an der jeweiligen Regionalstruktur: Eher ländliche oder kleinstädtische Strukturen, vor allem aber auch Wohlstand und eine gute öffentliche Ausstattung sind wesentliche Voraussetzungen für das Ausmaß an bürgerschaftlichem Engagement.

So kommen das Münsterland und weite Teile Baden-Württembergs auf mehr als 98 Ehrenamtliche je 100.000 Einwohner– dagegen Teil Brandenburgs, Sachsens und Sachsen-Anhalts auf weniger als 33 je 100.000.

Ehrenamtliche sind meist Frauen über 60

Getragen wird die ehrenamtliche Hospizarbeit im Wesentlichen durch Frauen, die über 60 Jahre alt sind. Sehr häufig, so Professor Thomas Klie von der Evangelischen Hochschule Freiburg, sei die Sterbebegleitung eines Familienangehörigen der Auslöser dafür gewesen.

Voraussetzung sei aber, dass Menschen generell die Erfahrung von Sorge gemacht haben müssen. Dies sei Aufgabe der Kultur- und Bildungspolitik und nicht einer speziellen Rekrutierungspolitik für ehrenamtliches Engagement.

Aber auch Ärzten, professionellen Pflegern und ihren Organisationen komme eine Verantwortung zu, so Klie: Dort, wo es auf der Systemebene eine Bereitschaft zur Kooperation auch in der Hospizversorgung gebe, funktioniere auch die Einbindung ehrenamtlich engagierter Menschen, sagte er. (HL)

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