Reinhardt

Einzelpraxis ist kein Modell mehr für die Zukunft

Geht der Vorsitzende des Hartmannbundes auf Gegenkurs zur KBV? Dr. Klaus Reinhardts Rede vom Wochenende birgt berufspolitischen Sprengstoff.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 08.11.2016, 05:15 Uhr
Einzelpraxis ist kein Modell mehr für die Zukunft

© Dominik Reipka

BERLIN. Der Vorsitzende des Hartmannbundes Dr. Klaus Reinhardt hat die Kassen aufgefordert, einer tieferen Integration von ambulantem und stationärem Sektor nicht länger im Wege zu stehen.

"Wenn die Kostenträger für die nächsten zehn Jahre das Versprechen abgäben: Ihr könnt Euch zusammentun, wie auch immer Ihr wollt und Ihr kriegt trotzdem das gleiche Geld, dann würde sich ganz viel tun", sagte Reinhardt bei der Hauptversammlung des Verbandes am Freitag in Berlin.

Bislang müssten alle Akteure, die eine Verzahnung anstrebten, Angst davor haben, sich selbst wegzurationalisieren. Grund: Die Kostenträger lebten in der Vorstellung, dass eine Integration der Sektoren mit Einsparungen beim Personal einhergingen, die sie dann realisieren wollten, so Reinhardt.

Die Verlustangst auf beiden Seiten sei berechtigt. Und sie sei aus seiner Sicht eines der wesentlichen Hemmnisse dafür, dass die Sektoren sehr viele Redundanzen vorhielten. In Städten und Ballungszentren, wo es viele Versorgungsangebote gebe, sei die Einzelpraxis daher nicht mehr das Modell der Zukunft. Sie sei ein Klischee, an dem die Ärzte nicht mehr festhalten sollten. Einzelpraxen hätten zumal bei jungen Kollegen keinen Marktwert mehr. "Die kriegen wir gar nicht mehr verkauft", sagte Reinhardt.

Die Ärzte hätten selbst dazu beigetragen, dass der Nachwuchs den Gang in die wirtschaftliche Selbstständigkeit scheue. Die Ärzte vermittelten das Bild, dass die Selbstständigkeit ein Gulag wäre, an dem man verarme.

"Auf Ärzte- und Verbandstagen wird das hohe Lied der ärztlichen Verarmung laut im Kanon gesungen", sagte Reinhardt. Alle meinten, man könne politisch nur etwas erreichen, wenn man ganz laut das Lied von der ärztlichen Verarmung singe. "Und ich singe es nicht mehr mit", sagte Reinhardt unter Beifall. Er forderte die Mitglieder auf, stattdessen an einem modernen, arztfreundlichen, von Ärzten als freien Unternehmern gestalteten Gesundheitswesen zu arbeiten.

Zuvor hatte die Staatssekretärin im Gesundheitsministerium Annette Widmann-Mauz angekündigt, dass der Regierungsentwurf für das umstrittene Selbstverwaltungsstärkungsgesetz kurz vor dem Abschluss stehe. Widmann-Mauz kündigte Änderungen gegenüber dem Referentenentwurf vom September an.

Das Prinzip der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen sichere praxisnahe und eigenverantwortliche Entscheidungen. Auf der anderen Seite stelle es hohe Anforderungen an die Handlungsfähigkeit und vor allem an die Verantwortung der Institutionen, die von den ihnen eingeräumten Handlungsspielräumen profitierten, sagte Widmann-Mauz.

Für die Funktionsfähigkeit der Selbstverwaltung seien funktionierende interne und externe Kontrollmechanismen von großer Bedeutung, damit Unregelmäßigkeiten in der Geschäftsführung oder mögliche Rechtsverstöße frühzeitig erkannt würden.

"Voraussetzung für funktionierende Kontrollmechanismen ist immer eine möglichst große Transparenz im Verwaltungshandeln", sagte Widmann-Mauz. An diesem Punkt wolle die Regierung mit dem Gesetz ansetzen. Die Staatssekretärin spielte damit auf die andauernden Auseinandersetzungen in der Kassenärztlichen Bundesvereinigung an.

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