Entschließung

Europarat geht gegen Gewalt in der Gynäkologie vor

Mitgliedsstaaten wollen per Entschließung Patientinnen vor Übergriffen in der Geburtshilfe schützen.

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Straßburg. Die Parlamentarische Versammlung des Europarates hat eine Entschließung verabschiedet, um Patientinnen besser vor Gewalt in der Geburtshilfe und der Gynäkologie zu schützen. Dazu wollen die 47 Mitglieder des Europarats dieses Thema enttabuisieren und Frauen ermutigen, sich gegen solchen Taten aktiver zu wehren.

Berichterstatterin des Textes ist die französische Sozialistin Maryvonne Blondin, die in ihrer Begründung mehrmals die „sexistischen und patriarchalischen Neigungen der Ärzte“ anprangert, auch wenn sie vor pauschalen Verurteilungen der Ärzteschaft warnt. Im Text heißt es, Gewalt in der Geburtshilfe und der Gynäkologie sei lang verdeckt geblieben und wird immer noch zu häufig ignoriert.

„In der vertraulichen Atmosphäre einer ärztlichen Sprechstunde oder einer Entbindung“, erklärt Blondin, „werden Frauen zu Opfern von Handlungen, die gewalttätig sind oder unter Umständen als solche wahrgenommen werden“. Dazu zählen unangemessene oder unerwünschte Handlungen wie etwa ohne Einwilligung durchgeführte Dammschnitte und Austastungen der Scheide, Druck auf den Gebärmuttergrund oder schmerzhafte Eingriffe ohne Betäubung. Über sexistisches Verhalten während ärztlicher Sprechstunden berichtet sie ebenfalls.

In Frankreich wird über das Thema erst seit Kurzem öffentlich diskutiert, das wahre Ausmaß bleibt unter Gynäkologen umstritten. Das Thema wird vor allem durch Berichte von Patientinnen, die sich im Internet – insbesondere via Twitter – über solche Fällen beklagt haben, dokumentiert. Auch in Kroatien haben Patientinnen eine vergleichbare Protestaktion über Twitter veranstaltet. Vor Kurzem hat die französische Regierung eine Sonderkommission eingerichtet, die sich mit dem Thema intensiver beschäftigen soll. Derzeit werden solche Gewalttaten nur in zwei Ländern offiziell anerkannt und strafrechtlich verfolgt: in Argentinien und Venezuela.

In der Anfang des Monats mit breiter Mehrheit angenommenen Entschließung, fordert der Europarat seine Mitgliedstaaten auf, die für Gesundheit und Gleichstellung zuständigen Ministerien dazu anzuhalten, zu den medizinischen Verfahren bei der Entbindung und Fällen von Gewalt in der Gynäkologie und der Geburtshilfe Daten zu erheben, zu diesem Thema Studien durchzuführen und diese zu veröffentlichen. Staaten sollten die nationalen Ärztekammern bitten, dieses Thema zu erörtern und Empfehlungen auszusprechen. Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen zu Patientenrechten und zur Verhütung und Bekämpfung von Sexismus und Gewalt gegen Frauen sollten in allen Gesundheitseinrichtungen durchgeführt werden.

Weiter fordert der Europarat, spezielle Schulungen für Fachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe anzubieten, in deren Rahmen für Gewalt in Gynäkologie und Geburtshilfe sensibilisiert wird. Spezifische und leicht zugängliche Melde- und Beschwerdeverfahren für betroffene Patientinnen sollten innerhalb wie außerhalb der Krankenhäuser eingerichtet werden. Weiter sollten Mitgliedstaaten ein Beschwerdeverfahren für solche Vorkommnisse einführen, das Sanktionen für medizinische Fachkräfte vorsieht, sollte sich eine Beschwerde solcher Art von Gewalt als begründet herausstellen. (DDB)

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