Berufspolitik

Experten fordern Ausbau der Palliativversorgung

BERLIN (ble). Bei der Umsetzung des vor wenigen Wochen vorgestellten Nationalen Aktionsplans gegen Krebs wird es nach Ansicht von Krebsexperten entscheidend darauf ankommen, die niedergelassene Ärzteschaft einzubinden.

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Arbeit im Tumorboard: Die Onkologischen Spitzenzentren sollen neue Standards in der Behandlung setzen - und dabei auch die Niedergelassenen integrieren.

Arbeit im Tumorboard: Die Onkologischen Spitzenzentren sollen neue Standards in der Behandlung setzen - und dabei auch die Niedergelassenen integrieren.

© Foto:UKE

Der Aktionsplan war vor zwei Wochen von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe (DKH) sowie der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren vorgestellt worden. Er soll die onkologische Versorgung und Früherkennung verbessern.

"Diese Initiative kann nur erfolgreich sein, wenn sie alle wesentlichen Beteiligten an einen Tisch bringt und in diesem Sinn das Problem national anpackt", sagte Professor Otmar Wiestler, Vorsitzender des DKH-Beirats, bei der Vorstellung des Jahresberichts 2007 der Organisation in Berlin.

Darüber hinaus müssten die Niedergelassenen auch in die Strukturen der bislang vier Onkologischen Spitzenzentren sowie der klinischen Krebszentren und Organzentren eingebunden werden, ergänzte DKH-Hauptgeschäftsführer Gerd Nettekoven. Für den DKH-Vorstandsvorsitzenden Friedrich Carl Janssen ist die Kooperation mit den Niedergelassenen gar Voraussetzung für den Erfolg der Spitzenzentren.

Das Konzept werde sich nur dann umsetzen lassen, wenn die Vertragsärzte um die Zentren herum keinen "Schaden nehmen". Um einen fairen Interessenausgleich zu gewährleisten, schlug Wiestler hierzu vertragliche Vereinbarungen mit den Niedergelassenen vor.

Mit Blick auf die Sterbehilfe des Hamburger Ex-Senators Roger Kusch bei einer lebensmüden 79-Jährigen forderte Nettekoven einen flächendeckenden Ausbau der Palliativversorgung. Deutschland sei auf diesem Feld "vielleicht bei der Hälfte des Weges angelangt - trotz einer über 20-jährigen massiven Förderung". Um eine flächendeckende Versorgung zu erreichen, müsse die Palliativmedizin bis in den niedergelassenen Bereich hineinreichen. "Jeder Schmerz ist ordentlich behandelbar", sagte Wiestler. "Man muss es nur tun."

Entschieden wandten sich die Experten gegen jede Form von aktiver Sterbehilfe. "Wenn Sie irgendwo anfangen, diese Tür zur Sterbehilfe zu öffnen, ist sie nicht mehr zu schließen", sagte Wiestler.

2007 konnte die DKH ihre Einnahmen von 85,9 Millionen auf 100,4 Millionen Euro steigern. Den Löwenanteil machte dabei eine anonyme Großspende aus der Schweiz in Höhe von neun Millionen Euro aus.

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