Bericht der Finanzkommission
Fachärzteverband SpiFa warnt vor Schwächung der ambulanten Versorgung
Wenn schon, dann bitte gerecht: Grundversorgenden Fachbereichen drohten Einnahmeverluste von 2,5 Milliarden Euro, rechnet der SpiFa vor. Das sei kontraproduktiv für die geplante Reform der Primärversorgung.
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Wo Geld einsparen, um die gesetzliche Krankenversicherung zu entlasten? (Symbolbild)
© Marijan Murat/dpa/dpa-tmn
Berlin. Die Veröffentlichung des ersten Berichts der Finanzkommission Gesundheit zieht weiter Kreise. Ein Ärzteverband sieht in den Empfehlungen der Kommission eine Schwächung der ambulanten fachärztlichen Versorgung angelegt.
„Einsparungen im niedergelassenen Bereich müssten von Haus-, Kinder- und Fachärztinnen und -ärzten gemeinsam getragen werden“, heißt es in der Analyse des Spitzenverbands Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (SpiFa).
Finanzkommission Gesundheit
GKV-Finanzexperte Gerlach: „Wir haben gesehen, dass Praxen nicht die Hauptkostentreiber sind“
Tatsächlich habe die Kommission für die ambulante Versorgung weit überwiegend nur Vorschläge zu Einsparungen bei niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzten unterbreitet, lautet die kritische Analyse des Verbandes.
Insgesamt sollen den Facharztpraxen demnach Einnahmen von 3,2 Milliarden Euro gestrichen werden, 2,5 Milliarden allein bei den grundversorgenden Fachbereichen wie Urologie, Gynäkologie Dermatologie, HNO, Orthopädie, Neurologie, Psychiatrie und Ophtalmologie. „Genau diese Strukturen zu schwächen, ergibt keinen Sinn, stellt der Bedarf an Facharztterminen doch den Dreh- und Angelpunkt der Reform der Primärversorgung dar“, betont der SpiFa.
Wo in der Versorgung sparen?
Vorschläge der Finanzkommission belasten Staat und Patienten gleichermaßen
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin betont, alle am Gesundheitswesen Beteiligten sollten ins Boot geholt werden. Das bedeute auch die Begrenzung der Vergütungsanstiege bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte.
Der wichtigste Vorschlag der Expertenkommission sei daher die Rückkehr zu einer einnahmeorientierten Ausgabenpolitik in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Mit einem „sozialverträglichen Paket“ an Maßnahmen wolle sie stabile Beiträge in der GKV erreichen, so Warken.
Dass das Bundesgesundheitsministerium und die Bundesregierung vor schwierigen Entscheidungen steht, erkennt auch der SpiFa an. Der Verband werde sich aktiv auch in die Spardiskussion einbringen. Entscheidend sei, das Vertrauen in die Verlässlichkeit politischer Entscheidungen zu sichern. Dieses werde untergraben, wenn Finanzierungen gestrichen werden, während Verpflichtungen bestehen blieben. (af)






