Arzneimittelpolitik

Forschende Hersteller: Weniger Steuern für mehr Innovation

Im Interesse ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit mahnt die forschende Pharma-Industrie eine steuerliche Förderung ihrer Forschung an.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht: 21.06.2011, 18:33 Uhr

FRANKFURT. Gemeinsam mit anderen forschungsintensiven Branchen will der Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller (vfa) beim Gesetzgeber einen Vorstoß unternehmen, um eine steuerliche Förderung ihrer Ausgaben für Forschung und Entwicklung zu erreichen.

Eine Option wäre es, dass zehn Prozent dieser Ausgaben von der Steuerschuld abgezogen werden, sagten der vfa-Vorsitzende Dr. Wolfgang Plischke und Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer gestern am Dienstag in Frankfurt.

Sie verweisen darauf, dass 21 von 30 OECD-Ländern mit derartigen Steuermodellen die Innovationsfähigkeit ihrer Wirtschaft stärken. Deutschland sei dabei nicht hinreichend gut aufgestellt.

2,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts wird in Forschung und Entwicklung investiert

So werde das Ziel der europäischen Lissabon-Strategie, wonach drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung investiert werden sollen, mit 2,6 Prozent (2008) deutlich verfehlt.

Erfahrungen aus anderen Ländern zeigten, dass die Steuerminderung zu einer Erhöhung der Forschungsaktivitäten und damit zu einer längerfristig höheren Wettbewerbsfähigkeit führe, so Plischke.

Ein Hemmnis in Deutschland sei es, dass die Politik gegenwärtig in kurzfristigen Kategorien denke, beklagte Fischer. Es sei zu wenig bewusst, dass die Gesundheitswirtschaft insgesamt neben ihrer medizinischen Leistung einen hohen Beitrag für Beschäftigung, Wachstum und Wohlstand schaffe.

Im Vergleich zu anderen, wesentlich konjunkturabhängigeren Branchen hat insbesondere die forschende Pharma-Industrie die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise zumindest ohne tiefe Einbrüche überstanden.

Umsatz der vfa-Firmen lag 2010 bei 38,8 Milliarden Euro

2010 stieg der in Deutschland von den 43 vfa-Firmen erarbeitete Umsatz um 4,4 Prozent auf 38,8 Milliarden Euro; davon gingen 20 Milliarden Euro (plus 5,6 Prozent) in den Export.

Die Entwicklung des Umsatzes auf dem Inlandsmarkt - plus 3,2 Prozent auf 18,8 Milliarden Euro - war von dem ab August 2010 geltenden auf 16 Prozent erhöhten Rabatt gedämpft. Der vfa hofft auf eine Überprüfung des Rabatts.

Während die Zahl der Beschäftigten um 0,7 Prozent auf 85 250 sank, gingen die Investitionen in Sachanlagen um 13,7 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zurück. Auch die F+E-Investitionen, die traditionell erheblich steigen, waren um 0,7 Prozent auf 5,19 Milliarden Euro rückläufig. Zahlen, die verdeutlichen, dass die Branche mit Unsicherheiten kämpft.

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