Notfallreform

Frankreichs Notärzte im Streik

Trotz eines teuren Reformplans für die Notfallversorgung sind Frankreichs Gesundheitsberufe in Aufruhr.

Von Denis Durand de Bousingen Veröffentlicht: 04.10.2019, 15:39 Uhr
Frankreichs Notärzte im Streik

Nach der Vorstellung einer Reform von der Gesundheitsministerin Dr. Agnes Buzyn streiken jetzt auch die Notärzte in Frankreich.

© spyrakot / stock.adobe.com

Paris. Seit mehreren Monaten streiken Pflegerinnen und Pfleger in rund der Hälfte der etwa 500 Krankenhausnotaufnahmen Frankreichs. Sie demonstrieren gegen schlechte Arbeitsbedingungen und Löhne sowie Personalmangel und Überlastung. Dabei wurden sie zwar von den Notärzten unterstützt, diese weigerten sich allerdings, an den Protestaktionen aktiv teilzunehmen. Jüngst hat Gesundheitsministerin Dr. Agnes Buzyn einen breiten Reformplan für die Notversorgung vorgestellt, um die Krise zu entschärfen. Genau das Gegenteil geschah: Jetzt wollten auch die Kliniknotärzte streiken.

Der 750-Millionen-Euro-Plan der Regierung sieht vor, landesweit telefonische Leitstellen einzuführen, damit Patienten sie zuerst anrufen, statt direkt ins Krankenhaus zu gehen. Gleichzeitig sollen die Not-und Bereitschaftsdienste der sogenannten Ärztehäuser – ambulante Gruppenpraxen, die Ärzte und andere Gesundheitsberufe unter einem Dach vereinigen – ausgebaut werden. Rund 50 „Notärztehäuser“, die sich exklusiv mit nicht lebensbedrohlichen Notfällen beschäftigen, sollen bis 2022 eröffnet werden.

7 von zuvor 26 Notärzten gibt es nur noch im Krankenhaus im elsässischen Mülhausen. Die anderen sind in Rente oder wegen der schlechten Arbeitsbedingungen abgewandert.

Weitere Maßnahmen betreffen die Reduzierung der Wartezeit in den Aufnahmestellen durch eine bessere Vernetzung der öffentlichen und privaten Notdienste. Dazu sollen ambulante Notdienste in geriatrischen Abteilungen gegründet werden, um ältere Patienten, die in allgemeinen Notaufnahmen ankommen, direkt und ohne Wartezeiten dorthin zu bringen.

Personal soll besser gesichert werden

Gleichzeitig sollen die Arbeitsbedingungen verbessert werden – vor allem um die Sicherheit des Personals zu gewährleisten: In den vergangenen Jahren sind immer mehr Pfleger von aggressiven Patienten verprügelt oder geschlagen wurden. In vielen Großkrankenhäuser wacht jetzt Sicherheitspersonal rund um die Uhr über die Notaufnahmen.

Die Ankündigungen Byzins lassen die finanziellen Aspekte der Probleme völlig im Stich, meint der Verein der französischen Notärzte AMUF ( Association des Médecins Urgentistes de France) der seit Jahren eine Lockerung der strengen Krankenhausbudgets fordert. Der AMUF fordert zudem mehr Betten in den Akutstationen, um die Annahmestellen zu entlasten, und eine spürbare Erhöhung der Gehälter der Ärzte und Pfleger.

Weil die vorgestellte Reform auf diese Punkte nicht einging, rief der Verein die Ärzte zum Streik auf. Obwohl Ärzte wegen Personalmangel und hoher Arbeitsbelastung ihre Arbeit eigentlich nicht niederlegen können: Konkret wollten sie, genau wie die Pfleger, nur Transparente in den Abteilungen aufhängen, und lediglich auf einige nicht dringende Büroarbeiten verzichten.

Inzwischen spitzen sich die Probleme mit dem Ärztemangel in vielen Krankenhäusern regelmäßig zu, weil immer mehr Ärzte nicht mehr unter den aktuellen Bedingungen arbeiten wollen. Die Situation der Notfallabteilung des Krankenhauses von (Mülhausen) im Elsass wurde mehrmals als Negativbeispiel in den französischen Medien vorgestellt. In diesem Krankenhaus, das einen Kreis von knapp 500 000 Einwohnern bedient, waren im vergangenen Jahr noch 26 Notärzte tätig. Jetzt sind sie nur noch sieben – nicht nur weil einige in Rente gegangen sind, sondern weil viele gekündigt haben, um anderswo bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne zu finden.

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