UN-Drogenbericht

Frauen sind schlechter versorgt

Veröffentlicht: 03.03.2017, 10:43 Uhr

BERLIN. Frauen mit Abhängigkeitserkrankungen werden schlechter versorgt als männliche Suchtkranke. Dies belegt der aktuelle Report des Internationalen Suchtstoffkontrollrats (INCB). Demnach sind ein Drittel der weltweiten Konsumenten von Suchtmitteln Frauen und Mädchen. Jedoch erhält nur eine von fünf Betroffenen eine entsprechende medizinische Behandlung. "Die weibliche Sucht wird schneller tabuisiert, häufiger stigmatisiert und findet meist im Verborgenen statt", sagte INCB-Präsident Werner Sipp bei der Vorstellung des Reports in Berlin.

Sipp appellierte an Ärzte, beim Verschreiben von Psychopharmaka und Beruhigungsmitteln problembewusster zu werden. Entsprechende Arzneien werden laut INCB Frauen häufiger als Männern verschrieben. In der Folge komme es daher auch öfters zum Missbrauch der Medikamente. Insbesondere in Deutschland und in Serbien habe es eine hohe Zahl an tödlichen Überdosierungen unter Frauen gegeben, heißt es.

Die Experten schätzen, dass 2010 etwa 6,3 Millionen Frauen von Amphetaminen abhängig waren, 4,7 Millionen von Opioiden und weitere 2,1 Millionen von Kokain. Gefährdet sind offenbar vor allem Frauen in einkommensstarken Ländern. Sie haben laut Bericht einen deutlich höheren Drogenkonsum als jene in Ländern mit mittleren oder schwachen Durchschnittseinkommen.

Der Bericht verweist auch darauf, dass sich Frauen beim Drogenkonsum stark von ihren suchtkranken Freunden beeinflussen lassen. Häufig sind sie es, die ihnen die erste Dosis organisieren oder auch verabreichen. Zwar steigen Frauen in der Regel eher später in den Drogenkonsum ein als Männer. Beim Griff zu Methamphetaminen wie etwa Crystal Meth oder Heroin sind sie tendenziell jedoch jünger als die Männer.

INCB-Chef Sipp forderte die Regierungen weltweit auf, ihre Drogenpolitik um Angebote für Frauen zu ergänzen. Auch seien in vielen Ländern mehr aufgeschlüsselte Daten notwendig, um die spezifischen Bedarfe von Frauen überhaupt zu erkennen. Zudem müssten Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, damit mehr Frauen medizinisch versorgt werden können. "Manchmal scheitert es bereits an einer verlässlichen Kinderbetreuung", sagte Sipp. (wer)

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