Gesundheitspolitik international

Gewalt gegen Ärzte nimmt in Frankreich zu

PARIS (DDB). 2007 sind mindestens 831 Ärzte von ihren Patienten überfallen, geprügelt oder schwer beleidigt worden, meldet die französische Ärztekammer. Die Kammer registriert und dokumentiert seit 2003 solche Vorkommnisse. Im Vergleich zum vorigen Jahr nahm die Zahl der Gewalttaten gegen Ärzte um 64 Prozent zu.

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Über 59 Prozent der Opfer sind Praktische Ärzte - sie machen 51 Prozent der gesamten Ärzteschaft aus. Besonders von Gewalttaten betroffen sind zudem Augenärzte, Psychiater und Röntgenärzte. Die häufigsten Attacken gegen Ärzte werden in den ärmeren Gebieten der Pariser Region registriert, gefolgt von Gebieten in Nordfrankreich.

Bei den 831 Fällen, die 2007 gemeldet wurden, handelt es sich um 363 Fälle von mündlichen Aggressionen und Beleidigungen, 238 Diebstähle, 108 Körperverletzungen, 90 mutwillige Zerstörungen und 32 Drohungen und anonyme Briefe. Acht Prozent der überfallenen Ärzte mussten ihre Tätigkeit bis zu acht Tage einstellen, acht Ärzte blieben mehr als acht Tage lang arbeitsunfähig.

Ärztekammer nimmt seit 2003 alle Meldungen auf.

Die Meldestelle der Ärztekammer schätzt, dass die genaue Zahl der Opfer deutlich höher ist, weil viele Ärzte diese Zwischenfälle nicht melden. 38 Prozent der Ärzte, die die Fälle gemeldet haben, sind auch vor Gericht gegangen. In zehn Prozent der dokumentierten Fälle wurden Patienten aggressiv, weil sie mit ihren Behandlung unzufrieden waren. Etwa acht Prozent der gewalttätigen Patienten hatten das Gefühl, zu lang auf einen Termin, oder zu lang in der Wartezimmer gewartet zu haben. Elf Prozent von Ihnen hatten sich empört, weil der Arzt die Verschreibung eines Arzneimittels, oder das Schreiben eines Attests abgelehnt hatte.

Fast jeder dritter Gewalttat ist nicht direkt mit der ärztlichen Tätigkeit verbunden, da die Täter keine regelmäßige Patienten der betroffenen Ärzte sind, und nicht nur Ärzte, sondern auch andere Personen beraubt oder überfallen haben.

Mit großer Besorgnis sehen die Kammer und die Ärzteverbände die Zunahme der Fälle, die beweisen, dass Ärzte, ebenso wie Feuerwehrmänner und Rettungsbedienstete von einer steigenden Zahl von Bürgern nicht mehr respektiert werden. Gegen diese Entwicklung sind Ärzte ratlos, auch wenn sie von dem Staat fordern, die Sicherheit der Ärzte mit neuen Maßnahmen zu verbessern, sowie Themen wie Respekt und Dialog wieder in die Erziehung und Bildung der Jugendlichen einzuführen.

Über das Ausmaß der Gewalt gegen Ärzte in Deutschland gibt es nach Angaben der Bundesärztekammer keine aktuellen Erhebungen. Im Mai vorigen Jahres hatte eine Messerattacke gegen eine Ärztin in Schwerin die Öffentlichkeit aufgerüttelt (wir berichteten).

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