Westfalen-Lippe

Haltung zu Protesten entzweit KV-Spitze und Hausärzteverband

Kämpfen für die Sache aller Vertragsärzte oder für die Hausarzthonorare? Ein Rundschreiben von Verbandschef Hartmann stößt in der KV auf Unmut.

Veröffentlicht: 09.10.2012, 07:59 Uhr

KÖLN (iss). Die Haltung des Hausärzteverbands Westfalen-Lippe zu den Ärzteprotesten hat zu einem erneuten Dissens zwischen dem Verband und der KV Westfalen-Lippe (KVWL) geführt. Der KVWL-Chef Dr. Wolfgang-Axel Dryden wirft dem Verbandsvorsitzenden Dr. Norbert Hartmann eine Spaltung der Ärzteschaft vor, was dieser als vollkommen unberechtigt zurückweist.

Stein des Anstoßes ist ein Rundschreiben von Hartmann an die hausärztlichen Kollegen, in dem er anlässlich der aktuellen Honorar-Auseinandersetzungen nochmals auf die Vorteile der hausarztzentrierten Versorgung hinweist. "Wollen Sie weiter für 0,9 Prozent oder magere 1,5 Prozent im Kollektivvertrag ,auf die Straße‘ gehen oder lieber vorrangig zusammen mit uns für die Vertrags- und Honorarautonomie der Hausärzte kämpfen?" heißt es dort unter anderem.

Damit beschädige Hartmann die Interessen aller Vertragsärzte in Westfalen-Lippe, wirft Dryden ihm in einem Schreiben vor.

"Bei allem Respekt für die Meinungsfreiheit hätten wir von einem berufspolitisch erfahrenen Kollegen, der gleichzeitig auch Mitglied unserer Vertreterversammlung und damit Vertreter aller hausärztlichen Interessen im Kollektivvertrag ist, erwartet, sich eindeutig auf die Seite der Mitglieder der KVWL zu stellen", schreibt Dryden. "Das ist leider nicht erfolgt."

Hartmann kann die Kritik nicht nachvollziehen. Sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene habe sich der Hausärzteverband hinter die Proteste gestellt, sagt er.

Auch die von den ärztlichen und psychotherapeutischen Berufsverbänden in die KVWL-VV eingebrachte und einstimmig verabschiedete Resolution gegen die Position der Krankenkassen habe er mitgetragen. "Wir sind der Meinung, dass man sich nicht noch eindeutiger an die Seite der Vertragsärzte stellen kann", betont Hartmann.

Die von Dryden erhobenen Vorwürfe könne er deshalb nicht akzeptieren. "Die Hausärzte stehen Gewehr bei Fuß."

Angesichts der derzeitigen desolaten Situation und des ungewissen Ausgangs der Honorarverhandlungen sei es aber geradezu die Pflicht des Verbands, auf die Vorteile der hausarztzentrierten Versorgung hinzuweisen.

"Eigentlich müsste auch die KVWL sie empfehlen", sagt Hartmann. An seinem Kampfeswillen habe der Hausärzteverband nie einen Zweifel gelassen. "Wir warten auf ernst zu nehmende Zeichen für Kampfmaßnahmen, um dem unverschämten Treiben der Krankenkassen Einhalt zu gebieten."

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