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Hamburg nur "gefühlt" unterversorgt

Lokalpolitiker fordern von der KV eine kleinräumige Bedarfsplanung. Die KV wehrt sich mit Fakten und stellt fest: Rechnerisch gilt Hamburg als überversorgt.

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Über- oder unterversorgt? Darüber streiten Kassenärztliche Vereinigung und Lokalpolitiker in Hamburg.

Über- oder unterversorgt? Darüber streiten Kassenärztliche Vereinigung und Lokalpolitiker in Hamburg.

© eliasbilly/Fotolia.com

HAMBURG. Die KV Hamburg wehrt sich gegen Forderungen nach einer kleinräumigen Bedarfsplanung. Kommunalpolitiker und Medien dagegen sehen darin eine Möglichkeit, Unterversorgung zu vermeiden.

Nun ging die KV in die Offensive: Der KV-Vorstand sprach in einer Pressekonferenz von "gefühlter" Unterversorgung - belegte aber anhand von Daten, dass Hamburg im Gegensatz zu vielen anderen Städten und Bundesländern bestens versorgt ist.

In keiner Fachgruppe liegt der Versorgungsgrad stadtweit unter 110 Prozent - damit gilt Hamburg rechnerisch als überversorgt. Nicht eingerechnet sind hier jedoch die Patienten aus dem Umland.

Auf Bezirke heruntergebrochen zeigt die Datenlage bei Hausärzten noch immer eine Überversorgung in drei von sieben Bezirken. In den anderen Bezirken lassen die Versorgungsgrade zwischen 75 und 110 Prozent auf eine "volle Versorgung" durch Hausärzte schließen. In zwei Bezirken gibt es Probleme in anderen Fachgruppen, die aber erklärbar sind:

1. Die kinderärztliche Versorgung in Hamburg-Mitte liegt bei einem Versorgungsgrad von unter 75 Prozent. Hier wohnen jedoch viele Familien mit Migrationshintergrund, die ihre Kinder traditionell eher bei Hausärzten behandeln lassen und Kinderarztpraxen nicht unbedingt vermissen.

Ob tatsächlich Unterversorgung besteht, ist eher unwahrscheinlich. Denn viele Eltern nehmen für ihre Kinder sehr gezielt auch Praxen in weiter entfernten Bezirken in Anspruch.

2. Im Bezirk Wandsbek liegt der Versorgungsgrad von Frauenärzten unter 75 Prozent. Hier verwies KV-Chef Walter Plassmann auf die hohe Zahl von Frauen, die Ärzte oft in der Nähe ihres Arbeitsplatzes aufsuchen.

Dass kleinräumige Bedarfsplanung für Hamburg keinen Sinn macht, macht der Blick auf Stadtteile deutlich. Wenn - wie von manchen Stadtteilpolitikern gefordert - die Bedarfsplanung sogar unter Bezirksebene vorgenommen wird, liegen häufig über- und unterversorgte Straßen in direkter Nachbarschaft.

"Eine kleinräumige Bedarfsplanung berücksichtigt nicht, was links und rechts der Grenze passiert", gab KV-Vize Dr. Stephan Hofmeister zu bedenken.

Er hält die Distanzen, die die Hamburger zu ihren Ärzten zurücklegen müssen, für zumutbar. Diese betragen im Höchstfall einige Kilometer, die durch einen bestens ausgebauten öffentlichen Nahverkehr in kurzer Zeit zu überbrücken sind.

In der Kommunalpolitik wird dies zum Teil anders gesehen. So hatten sich etwa Vertreter aus Harburg über eine angebliche radiologische Unterversorgung beschwert. Tatsächlich weist die Hansestadt für diese Fachgruppe einen Versorgungsgrad von über 200 Prozent auf.

Hofmeister: "Wenn wir an jeder Ecke einen Radiologen vorhalten wollen, wird es teuer." (di)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Eine absurde Diskussion

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