Berufspolitik

Hans Joachim Sewering ist tot

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Er war der mächtigste, zugleich der umstrittenste Arztfunktionär der deutschen Nachkriegszeit: Professor Hans Joachim Sewering. Er ist am 18. Juni 94-jährig gestorben.

Als 17-Jähriger trat er 1933 der SS bei und wurde 1934 Mitglied der NSDAP. Nach dem Studium der Medizin ließ er sich als Internist und Lungenfacharzt 1947 in Dachau nieder. Bereits 1951 wurde er Vorstandsmitglied der KV Bayerns und hatte deren Vorsitz von 1972 bis 1992. Gemeinsam mit der AOK entwickelte er die Bayernvertrags-Philosophie: das Prinzip ambulant vor stationär. Goldene Zeiten für die niedergelassenen Ärzte.

Parallel machte Sewering Karriere in der Kammer. Als bayerischer Kammerpräsident (1955 bis 1991) gehörte er dem Vorstand der Bundesärztekammer an und wurde 1973 deren Präsident. Wegen Verdachts der Falschabrechnung in Millionenhöhe musste er dieses Amt 1978 aufgeben. Gleichwohl blieb Sewering einflussreich auf allen Ebenen. Legendär war sein Einfluss auf die Weiterbildungsordnung und auf die Harmonisierung der Ärztediplome in der EU. Bis in die 90er Jahre hinein verhinderte er, dass die allgemeinmedizinische Pflichtweiterbildung als Voraussetzung für die hausärztliche Tätigkeit etabliert wurde.

Zum Eklat kam es 1993, als Sewering die Präsidentschaft im Weltärztebund anstrebte. Der jüdische Weltkongress und andere Organisationen verhinderten dies. Sewering bekam ein Einreiseverbot in die USA. Der Grund: Sewering hatte 1943 geistig behinderte Patienten in die Heilanstalt Eglfing-Haar eingewiesen, wo zwischen 1940 und 1945 etwa 300 Kinder ermordet wurden. Bis zuletzt bestritt Sewering, von der Euthanasie in dieser Anstalt gewusst zu haben. (HL)

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