Hausärzte bewahren vor dem Pflegeheim

Eine Studie beweist es: Hausärzte schaffen es, die Zahl der Pflegefälle zu senken - allerdings mit einigen Bedingungen.

Veröffentlicht:
Hausärzte schaffen es, die Zahl der Pflegefälle zu senken.

Hausärzte schaffen es, die Zahl der Pflegefälle zu senken.

© Angelika Warmuth / dpa

MÜNCHEN (rb). Der Nachweis ist geführt: Hausärzte können jeden zehnten Pflegefall durch gezieltes Aufspüren und Behandeln von Risikofaktoren für Schlaganfall und Demenz vermeiden.

Im achtjährigen, Hausarzt-basierten Präventionsprojekts INVADE waren zehn Prozent weniger Fälle von langzeitiger Pflegebedürftigkeit zu verzeichnen, als eigentlich zu erwarten war (J Am Heart Assoc 2012, online).

Zur Teilnahme berechtigt waren 11.317 AOK-Versicherte über 55 Jahre rund um Ebersberg in Oberbayern. Teilgenommen haben 3908 von ihnen, also knapp 35 Prozent.

Umso erstaunlicher das Ergebnis, das sich auf alle Berechtigten bezieht. Als Vergleichsregion diente der Landkreis Dachau, in dem die AOK-Patienten über 55 wie üblich versorgt worden waren.

An dem Projekt hatten sich 72 von 76 Hausärzten (94,7 Prozent) in der Modellregion beteiligt.

Im Zentrum von INVADE standen das systematische Abklären und evidenzbasierte Management von zehn Risikofaktoren: systolischer und diastolischer Blutdruck, Nüchternblutzucker, HbA1c, Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyzeride, Homocystein sowie Body-Mass-Index.

Nahezu alle Parameter besserten sich während der Intervention. So sank der systolische Blutdruck von 139,4 auf 136,9 mmHg, der diastolische Wert von 82,2 auf 80,0 mmHg.

Die konsequente Therapie wirkte sich günstig auf den primären Studienendpunkt aus: Rechnerisch hätten in den Jahren 2004 bis 2008 insgesamt 1375 Patienten der Studienpopulation neu pflegebedürftig werden müssen, tatsächlich waren es aber nur 1240.

Die Differenz - ein Minus von 9,8 Prozent - erwies sich als hoch signifikant. Auch die Mortalität wurde positiv beeinflusst.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Wer kann, der kann - wenn er will

Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Healthcare Hackathon

Wie KI zur echten Praxis- und Klinikhilfe wird

Schon im ersten Trimester

Frühere Diagnostik des Gestationsdiabetes gefordert

Behandlungsqualität

Klinik-Atlas überzeugt in neuer Version erst recht nicht

Lesetipps
Professor Ferdinand Gerlach

© Wolfgang Kumm/dpa/picture alliance

Interview

Gerlach: „Es gibt keinen allgemeinen Ärztemangel und keine generelle Überalterung“

Gemälde von Menschen auf einer tropischen Insel, die um eine übergroße Mango tanzen.

© Preyanuch / stock.adobe.com

Kinetose

Mango, Musik, Medikamente – was gegen Reisekrankheit hilft

Die Ursache der Appendizitis des jungen Mannes war offenbar eine Aktinomykose, ausgelöst durch Actinomyces israelii, ein gram-positives anaerobes Bakterium, das als Kommensale in der Mundhöhle und auch im Gastrointestinaltrakt vorkommt.

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Untypisches Krankheitsbild

Kasuistik: Hinter dieser Appendizitis steckte ein Bakterium