Streik der Pflegekräfte

Heftiger Arbeitskampf an der Berliner Charité

An der Berliner Universitätsklinik Charité wurde drei Tage lang gestreikt. Den Verhandlungspartnern gelang es am Mittwochnachmittag, zumindest eine Notdienstvereinbarung abzuschließen.

Von Julia Frisch Veröffentlicht:
Machen mit Plakaten auf ihre Sache aufmerksam: Pflegemitarbeiter der Charité Berlin im Streik.

Machen mit Plakaten auf ihre Sache aufmerksam: Pflegemitarbeiter der Charité Berlin im Streik.

© Helmut Laschet

BERLIN. Am Mittwochnachmittag teilte die Charité mit, dass ein entsprechender Vertrag unterschrieben wurde. Dieser werde nach Zustimmung der Tarifkommission in Kraft gesetzt. Mit dieser Vereinbarung bringe das Universitätsklinikum "zum Ausdruck, dass das Streikrecht selbstverständlich respektiert wird", sagte der Ärztliche Direktor der Charité, Professor Ulrich Frei.

Noch am Mittwochvormittag, also vor Abschluss der Notdienstvereinbarung, hatte Verdi kritisiert, dass die Universitätsklinik den Streik unterlaufe und bei der Ausübung des Streikrechts "massiv" behindere. Verdi-Sprecher Andreas Splanemann vom Landesbezirk Berlin-Brandenburg beklagte am späten Vormittag, dass die Charité nach wie vor Leistungen nicht genügend zurückgefahren habe.

Auch Leasingkräfte, die unter anderem für Sitzwachen oder den Op-Bereich eingesetzt werden, "sind nicht gekommen", so Splanemann. Das erschwere für das verbleibende Personal eine Teilnahme an dem Streik.

"Dramatische Szenen"

Vor Ort, so der Verdi-Sprecher, spielten sich deshalb "dramatische Szenen ab": "Mitarbeiter, die streiken wollen, können nicht draußen bleiben. Sie fühlen sich als Streikbrecher. Das vergiftet das Betriebsklima."

Dagegen betonte Ulrich Frei am Mittwoch abermals, dass das Op-Programm an der Charité "auch heute an allen drei Standorten deutlich reduziert worden" sei. "Rund 50 Prozent der geplanten Eingriffe wurden verschoben – alle Notfalleingriffe fanden statt", so Frei. Nach Angaben der Charité befanden sich weniger als 70 von 4200 Beschäftigten im Streik.

Keine Einigung wurde bislang bezüglich des Tarifvertrags Gesundheitsschutz erzielt, der Ende Juni von der Gewerkschaft nicht verlängert wurde (die "Ärzte Zeitung" berichtete). Ulrich Frei verwies darauf, dass die Charité schon zusätzlich 280 Pflegende im Vergleich zu 2014 "aufgebaut" habe.

Streikdauer unklar

Der Streik diene nicht der Stärkung der Pflege, sondern wolle gewerkschaftliche Eingriffe in die Unternehmensabläufe durchsetzen, sagte der Ärztliche Direktor am Dienstagabend.

Wie lange noch gestreikt wird, das hänge von der Situation ab, sagte Verdi-Sprecher Splanemann, und werde von Tag zu Tag entschieden. "Es könnte sein, dass es nächste Woche weitergeht, aber auch, dass erst mal pausiert wird", sagte der Verdi-Sprecher.

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