Wahlen in Nordrhein

Henke will Kammerchef bleiben

56.000 Ärzte in Nordrhein sind jetzt aufgerufen, ihre Kammerversammlung zu wählen. Auf den Listen stehen viele prominente Namen.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
"Ich glaube, dass ich die Arbeit als Kammerpräsident gut gemacht habe", so Rudolf Henke.

"Ich glaube, dass ich die Arbeit als Kammerpräsident gut gemacht habe", so Rudolf Henke.

© Kahnert / dpa

KÖLN. Der 7. November 2011 markiert einen Einschnitt in der Geschichte der Ärztekammer Nordrhein (ÄKNo). An diesem Tag starb Professor Jörg-Dietrich Hoppe, der seit 1993 an der Spitze der ÄKNo stand und die Kammer entscheidend geprägt hat.

Am 19. November wählte die Kammerversammlung in der laufenden Legislaturperiode Rudolf Henke zu seinem Nachfolger. Jetzt tritt Henke an, um die Geschicke der ÄKNo auch in den kommenden fünf Jahren zu lenken.

Bei den Kammerwahlen in Nordrhein ist der Bundesvorsitzende des Marburger Bundes (MB) Spitzenkandidat des MB in Aachen, Düren, Heinsberg.

"Ich glaube, dass ich die Arbeit als Kammerpräsident gut gemacht habe und würde sie jetzt gern für eine volle Amtsperiode fortsetzen", sagt der Internist der "Ärzte Zeitung". Völliges Neuland hatte Henke mit dem Präsidentenamt nicht betreten, schließlich sitzt der 59-Jährige bereits seit 1988 im Kammervorstand.

"Kammerarbeit reorganisiert"

Gemeinsam mit der - zum Teil ebenfalls erneuerten - Geschäftsführung hat der Kammervorstand unter Henke und seinem Vize Bernd Zimmer neue Akzente für die ÄKNo gesetzt. "Wir haben eine komplette Reorganisation der Kammerarbeit eingeleitet." Ziel ist es, die Kammer service-orientierter und offener zu machen.

Dabei orientiert sich die ÄKNo-Spitze auch an den Ergebnissen einer Umfrage unter den Ärzten, die sich ehrenamtlich in der Kammer engagieren. Die ÄKNo bietet ihren Mitgliedern inzwischen eine Fülle von Veranstaltungen zu verschiedenen Themen an.

"Ich habe das Gefühl, dass wir ein Stück dialogorientierter und partizipativer geworden sind", sagt Henke.

Mit dem verstärkten Werben um die Mitglieder reagiert die ÄKNo auch auf die Tatsache, dass die Wahlbeteiligung in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgegangen ist. 2009 waren es gerade einmal 45,7 Prozent.

Weiterbildung ein Fokus

Wichtig ist dem ÄKNo-Präsidenten die Zusammenarbeit und die Abstimmung mit anderen ärztlichen Körperschaften. "Wo es Sinn macht, als Ärzteschaft einheitlich zu sprechen, sollte man das auch tun", sagt Henke.

Als "Ärzte.NRW" haben sich Ende 2013 die Chefs der Kammern und KVen in Nordrhein und Westfalen-Lippe erstmals gemeinsam an die Politik gewandt: mit der Forderung nach einer gerechten Vergütung der ambulanten Versorgung. "Es ist klug, die Kräfte zu bündeln."

In NRW liegt ein neuer Krankenhausplan auf dem Tisch. An seiner Weiterentwicklung will sich die Kammer konstruktiv beteiligen. Das betrifft etwa den stärker qualitätsorientierten Ansatz der Planung, den die ÄKNo begrüßt.

Henke hält es für positiv, dass sich die Kammer als Mitglied im zuständigen Landesausschuss direkt mit ihrer Sicht der Dinge einbringen kann. Umso mehr schmerzt ihn, dass die Kammern inn dem Landesgremium, in dem es um sektorübergreifende Versorgungsfragen geht, außen vor bleiben.

"Das Mitwirken in dem Gremium bleibt ein Wunsch für die Zukunft."

Oben auf seiner Agenda für die kommenden Jahre steht auch der Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen für Ärzte in Klinik und Praxis, insbesondere der Bürokratieabbau.

"Keine Interessenkollisionen"

Die immer wieder zu hörende Kritik an seinen vielen Funktionen hält Henke für unberechtigt. Das Engagement als MB-Chef und als CDU-Bundestagsabgeordneter beeinträchtige die Arbeit als Kammerpräsident nicht, sagt er. Auch gebe es keine Interessenkollisionen. "Die Angst, dass ich Politik für die Klinikärzte mache, ist meiner Ansicht nach widerlegt."

Henke möchte die Zusammenarbeit mit seinem Vize Bernd Zimmer gern fortsetzen. "Wir kooperieren gut und harmonisieren persönlich."

Das kann Zimmer unterschreiben. "Wir können unterschiedliche Erfahrungen mit einbringen und wissen gemeinsam viel über ärztliche Belange." Der Wuppertaler Hausarzt ist Listenführer des Wahlbündnisses VoxMed - Die Unabhängigen Bergisches Land.

Einen Schwerpunkt möchte Zimmer in der nächsten Amtsperiode bei der Reform der Weiterbildung setzen. "Die Weiterbildung muss besser an die Bedürfnisse der Ärztinnen und Ärzte angepasst werden."

Außerdem macht er sich für eine Ausweitung der ambulanten Weiterbildung auf andere Fächer stark. "Ich hoffe, dass das nicht so lange dauert wie bei der Allgemeinmedizin."

Am Herzen liegt ihm auch die Kooperation mit den Gesundheitsfachberufen.

Kammerwahlen Nordrhein

Vom 5. Mai bis 13. Juni können rund 56.000 Ärzte in Nordrhein per Briefwahl darüber entscheiden, welche 121 Delegierten sie in der nächsten Kammerversammlung vertreten werden. Auf 27 Listen im Regierungsbezirk Köln und 26 im Regierungsbezirk Düsseldorf kandidieren insgesamt 1795 Ärzte. Zurzeit sind der Marburger Bund (48 Mitglieder) und VoxMed (34) die stärksten Fraktionen.

Interessant dürfte das Abschneiden der Freien Ärzteschaft (FÄ) unter ihrem Präsidenten Wieland Dietrich und des Hambacher Bundes mit dem früheren FÄ-Präsidenten Martin Grauduszus an der Spitze sein. Seit der Spaltung der FÄ sind Grauduszus und seine Mitstreiter Mitglieder der Fraktion VoxMed. Der Vorsitzende der KBV Dr. Andreas Gassen tritt bei der Kammerwahl in Nordrhein als Spitzenkandidat der Liste Versorgerfachärzte Nordrhein im Regierungsbezirk Düsseldorf an. (iss)

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