Direkt zum Inhaltsbereich

Hirnliga fordert bessere Behandlung von Demenzkranken

Alzheimer-Forscher haben angesichts der dramatischen Zunahme von Demenzerkrankungen dazu aufgerufen, alle derzeit zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten zu nutzen.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Demenzkranke brauchen alle zur Verfügung stehende Therapie-Optionen. Dafür macht sich die Hirnliga stark.

Demenzkranke brauchen alle zur Verfügung stehende Therapie-Optionen. Dafür macht sich die Hirnliga stark.

© GranAngular / imago

FRANKFURT AM MAIN. Weniger als 20 Prozent der gesetzlich krankenversicherten Demenzkranken erhielten indikationsgerecht Antidementiva. Das hat der Gerontopsychiater Hans Gutzmann aus Berlin bei einem Symposium der Hirnliga in Frankfurt am Main kritisiert. Bei privat Versicherten seien es doppelt so viele.

Nach einer Erhebung würden fast 90 Prozent der Neurologen einem Verwandten bei entsprechendem Bedarf einen Acetylcholinesterasehemmer verordnen und 64 Prozent der Hausärzte. Selbst verordnen sie diese Medikamente jedoch nur bei 44 und neun Prozent ihrer Patienten. Budgetrestriktionen würden von Haus- und Fachärzten als wichtigste Ursache dafür benannt, dass stationär begonnene Antidementiva-Behandlungen nicht fortgeführt werden.

Bei den Krankenkassen würden Demenzerkrankungen im Wesentlichen als Pflegeproblem angesehen, meinen Vertreter der Hirnliga, weniger als medizinisches Problem und behandelbare Krankheit. Bei adäquater Therapie könne jedoch der Pflegebedarf verzögert werden, was Kosten sparen würde.

Daher sprechen sich Experten der Hirnliga dafür aus, Krankenkassen und Pflegekassen zusammenzulegen, um vorhandene Hemmnisse bei der Therapie und Pflege Demenzkranker zu beseitigen.

Professor Ralf Ihl aus Krefeld forderte einen nationalen Demenzplan wie in Frankreich oder in den USA. "Wir müssen all die Aktionen, die wir in der Republik gegen Demenz unternehmen, sei es auf politisch-lokaler Ebene oder auf Forschungsebene, koordinieren!", sagte Ihl.

Ein nationaler Demenzplan solle Ziele vorgeben. Die erforderlichen finanziellen Mittel, um diese zu erreichen, sollten bereitgestellt werden. Letztlich müsse dies dann auch auf europäischer Ebene angegangen werden.

Derzeit leiden etwa 1,4 Millionen Menschen in Deutschland an Demenz, davon 60 Prozent am Alzheimer-Typ. Für 2050 wird prognostiziert, dass sich die Zahl der Alzheimer-Patienten verdoppelt oder gar verdreifacht haben wird.

Lesen Sie dazu auch: Hirnliga dämpft Hoffnung auf Alzheimer-Medikament

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Konkurrenz für Primärpraxen?

Reformpaket beschlossen: Apotheker rücken zu Hausärzten in zweiter Reihe auf

Orphan Drug

G-BA: Hinweis auf geringen Zusatznutzen für Olezarsen

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
AMNOG-Verfahren: Plädoyer für ein Update

© Springer Medizin Verlag GmbH

AMNOG-Verfahren: Plädoyer für ein Update

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?

Hantavirus und Ebolavirus

Was Patienten brauchen, die Sorge vor einem neuen Virusausbruch haben

Lesetipps
Dreidimensionale gerenderte Darstellung einer Fraktur des linken Oberschenkels.

© samunella / stock.adobe.com

Rasche Mobilisation entscheidend

Fraktur im Alter: An Delir und Osteoporose denken!

Vegane Ernährung, grünes Gemüse

© Johannes / stock.adobe.com / Generated with AI

Ernährungsberatung

Schilddrüse: Vegane Ernährung verschärft Jodmangel

Kardiologe Oliver A. Schmidt

© privat

Arzt entwickelt MFA-Börse

So finden Praxisinhaber die MFA, die zu ihnen passt