Krankenkassen

Hüft- und Knie-Op: Komplikationsraten von bis zu 50 Prozent

Die KKH-Allianz hat die Qualität bei Operationen an Hüft- und Kniegelenken untersucht und zeigt sich über das Ergebnis erschrocken. Jetzt fordert sie weitere Mindestmengenregelungen.

Von Christian BenekerChristian Beneker Veröffentlicht:
Ein OP-Team bei einer Hüftgelenk-Operation. Die KKH-Allianz fordert auch hier Mindestmengen.

Ein OP-Team bei einer Hüftgelenk-Operation. Die KKH-Allianz fordert auch hier Mindestmengen.

© Tack / imago

HANNOVER. Komplikationsraten bis zu 50 Prozent - die KKH-Allianz hat die Behandlungsdaten von mehr als 1000 deutschen Krankenhäusern untersucht, in denen ihre Versicherten in 2008 und 2009 an Hüfte oder Knie operiert wurden.

Das Ergebnis: "In jedem vierten Krankenhaus lag die Komplikationsrate solcher Eingriffe bei fünf und mehr Prozent, in einigen Kliniken mit geringen Fallzahlen sogar bei über 50 Prozent", erklärte Vorstandsvorsitzender Ingo Kailuweit.

"Dass die Behandlungsqualität bei Hüft- und Kniegelenk-Operationen innerhalb Deutschlands so auseinanderklafft, ist alarmierend." Ähnliche Ergebnisse fanden sich kürzlich auch im aktuellen WidO-Krankenhaus Report.

Abgesehen von den Leiden der Patienten bedeuteten nicht geglückte Operationen hohe zusätzliche Kosten, die vermeidbar sind, so Kailuweit.

"Bei der KKH-Allianz belaufen sich die Mehrausgaben durch Komplikationen bei Knie- und Hüftgelenk-Operationen in den Jahren 2008 und 2009 nur für Klinikaufenthalte auf rund 5,7 Millionen Euro", erklärte er.

"Damit liegen die Zusatzkosten pro Komplikationsfall bei mehr als 8700 Euro und damit doppelt so hoch wie die Kosten für eine gelungene Op - nicht eingerechnet Mehrausgaben für Reha-Maßnahmen, weitere Arztbesuche, Arzneimittel und Krankengeld", stellte Kailuweit klar.

Ursachen für die Komplikationen sind unter anderem Qualitätsmängel der Prothesen, postoperative Wundinfektionen, Nachblutungen und anhaltende Schmerzen. Zurückzuführen seien die Probleme oft auf menschliches Versagen.

 Um die Sicherheit zu erhöhen, fordert die KKH analog zur Kniegelenk-Op eine Mindestmengenregelung auch bei Hüft-Operationen.

"Sicherheit in Kliniken muss für Patienten deutlich erhöht, die Quote an Fehlbehandlungen reduziert werden", fordert die Kasse.

Um eine Kniegelenk-Op vornehmen zu können, muss eine Klinik mindestens 50 Eingriffe im Jahr nachweisen. 

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Nach einer Hüftgelenksoperation empfehlen die Ärzte eine Wartezeit von einem bis drei Monaten, bevor die Patienten wieder sexuell aktiv sein dürfen. Dies hängt vom Heilungserfolg des umliegenden Gewebes und dem Wiederaufbau der Muskulatur ab.

Bei einer Nachoperation müssen Patienten allerdings länger warten, da das operative Trauma für das Gewebe noch größer war. Bei der Wahl der Sexstellung hängt es auch davon ab, welcher der Partner die Hüftprothese hat.

Mit den besten Wünschen für eine erfüllte Sexualität

Ihr Dr. Ralf Hettich
Mailkontakt: info@ralfhettich.de


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