Laumann zur Pflege

„In China rekrutieren, bringt nichts“

Würde eine Stimme der Pflege beim Gemeinsamen Bundesausschuss die Personalengpässe in der Versorgung beheben? NRW-Gesundheitsminister Laumann glaubt das und will gleichzeitig Kliniken zu mehr Ausbildungsdisziplin anspornen.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 13.11.2018, 14:17 Uhr
Echauffierte sich bei der Medica über mangelnde Ausbildungsbereitschaft von Kliniken: Landesminister Laumann.

Echauffierte sich bei der Medica über mangelnde Ausbildungsbereitschaft von Kliniken: Landesminister Laumann.

© Matthias Wallenfels

DÜSSELDORF. Das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG) allein kann die Misere in dem Bereich nicht heilen.

„Die Kliniken müssen eine Ausbildungsquote von zehn Prozent erreichen, sonst ist ihr Gestöhne unglaubwürdig“, echauffierte sich Nordrhein-Westfalens Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Montag zur Eröffnung des von der Messe Düsseldorf und der Techniker Krankenkasse (TK) gemeinsam ausgerichteten 7. Medica Econ Forum in Düsseldorf im Rahmen der weltgrößten Medizinmesse Medica.

„In China zu rekrutieren, bringt nichts“, so Laumann mit einem Seitenhieb auf die vehementen Bestrebungen der Kliniken, im inner- und außereuropäischen Ausland ausgebildete Pflegekräfte für eine Tätigkeit in deutschen Einrichtungen zu begeistern oder sie hier auszubilden.

Zu viel Flexibilität abgefordert

Ein weiterer Knackpunkt mit Blick auf den Fachkräftemangel in der Pflege liegt laut Laumann bei den für die Arbeitnehmer teils unberechenbaren Arbeitseinsätzen, die sehr viel Flexibilität erforderten – auch kurzfristig. Gleichzeitig warnte er vor einem zu starken Wettbewerb zwischen den Sektoren.

Es nütze nichts, Fachkräfte aus dem einen Pflegesektor in den anderen zu bringen, der bessere Arbeitsbedingungen verspreche. Das Problem müsse ganzheitlich sowie mit einem sektorenübergreifenden Denken und Handeln angegangen werden.

Indes fehle der Pflege der nötige Einfluss in der Selbstverwaltung. „Die Pflege muss in den Gemeinsamen Bundesausschuss“, plädierte Laumann vehement für eine gesundheitspolitische Stärkung der Branche. Deshalb befürworte er auch eine Pflegekammer. „Gäbe es eine Bundespflegekammer, wären deutschlandweit 1,2 Millionen Beschäftigte der Branche organisiert.

Das würde die Kräfteverhältnisse im deutschen Gesundheitswesen wesentlich verändern, denn die Bundesärztekammer spricht nur für 360.000 Ärzte“, erläuterte er sein Szenario.

„Ob ambulant, teilstationär oder stationär – den Patienten interessiert es nicht, in welchem Sektor er ist, er will versorgt werden“. Die Patientenperspektive werde der gesundheitspolitischen Diskussion zu oft außenvorgelassen.

Baas: Digitalisierung hilft Bürokratie abzubauen

TK-Chef Dr. Jens Baas sieht unterdessen in der Digitalisierung ein probates Mittel, um Pflegekräfte von bürokratischen Aufgaben zu entlasten.

„Dann können sie auch das tun, was man in der Pflege tun soll, sich um die Menschen kümmern“, so Baas. Die digital gestützte Vernetzung der Leistungserbringer und Kostenträger sowie die Dokumentation seien jedoch keinesfalls wegzudiskutieren, mahnte der TK-Chef vor einem allzu liberalen Verständnis von Bürokratieabbau in der Pflege.

Ohne die inzwischen auch vom Bundeskriminalamt mit der Organisierten Kriminalität in Verbindung gebrachten, häufig fremdsprachigen Pflegedienste zu benennen, die durch Kick-backs und Komplizenschaft mit Patienten, aber auch Ärzten, Sozialbetrug in Milliardenhöhe begehen, nannte er die Digitalisierung das Rückgrat der Transparenz in der pflegerischen Versorgung.

Auch elektronische Patientenakten wie etwa TK-Safe könnten zu mehr Transparenz beitragen.

Regelversorgung im Blick

Harsche Worte fand Gesundheitsminister Laumann für die seiner Meinung nach zu phlegmatische Handhabung von Projektergebnissen. „Erst fördern wir Projekte, dann laufen sie gut, und am Ende finden sie nicht den Weg in die Regelversorgung“.

Hier müssten klare Regeln her, was zum Beispiel Arztnetze ausmache und wie sie ihre speziellen, in Modellen bewährten Leistungen zu GKV-Lasten erbringen können.

Das gelte gerade nach dem bahnbrechenden Votum des diesjährigen Ärztetages zur Lockerung des ausschließlichen Fernbehandlungsverbotes für telemedizinische Ansätze.

Mehr zum Thema

Debatte um DRG in der Jugendmedizin

Bundesrat: Tabakwerbeverbot kommt – Weg frei für ePA

Fachkräftemangel

Pflegeausbildung in Vietnam und Deutschland

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Mammogramm: Trotz vollständiger operativer Entfernung eines DCIS ist das Risiko, langfristig an Brustkrebs zu sterben stark erhöht, - besonders hoch ist es bei jung erkrankten sowie dunkelhäutigen Frauen.

Therapiestrategie überdenken

Nach DCIS steigt brustkrebsbedingte Sterberate

Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern

Debatte um DRG in der Jugendmedizin

Bundesrat: Tabakwerbeverbot kommt – Weg frei für ePA

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden