Hautärzte in Stadt und Land

In München „an jedem dritten Haus“, auf dem Land Mangelware

Bei der dermatologischen Versorgung der Bevölkerung gilt grundsätzlich: Es gibt zahlreiche Ärzte und Kliniken in diesem Bereich. Doch der Blick ins Detail offenbart, wo es noch Baustellen gibt.

Von Thorsten SchüllerThorsten Schüller Veröffentlicht:
Im internationalen Vergleich ist die Versorgung mit Hautärzten in Deutschland gut.

Im internationalen Vergleich ist die Versorgung mit Hautärzten in Deutschland gut.

© Alexander Raths / Fotolia

MÜNCHEN. Die Versorgung mit Hautärzten in Deutschland ist im internationalen Vergleich gut. Doch wie bei anderen Arztgruppen auch gibt es ein erhebliches Stadt-Land-Gefälle. Hinzu kommt eine Schieflage bei der Vergütung: Während sich Schönheitsanwendungen für Ärzte richtig lohnen, erhalten sie für therapeutische Behandlungen vergleichsweise wenig Geld. Das ist das Ergebnis eines Expertenaustauschs in München.

Im Grunde läuft bei der dermatologischen Versorgung der Bevölkerung Vieles in die richtige Richtung: Es gibt zahlreiche Ärzte und Kliniken in diesem Metier, effektive Biologika haben die Behandlungsergebnisse verbessert, und im Vergleich zu anderen Ländern ist die Todesrate beispielsweise bei Hautkrebs geringer, da die Patienten hierzulande einen vergleichsweise einfachen Zugang zu Fachärzten haben. Das ist die positive Nachricht für die etwa 30 Prozent der Bevölkerung, die an einer Hauterkrankung leiden.

Probleme liegen im Detail

Doch der Blick ins Detail offenbart, dass es auch im Bereich der Hauterkrankungen noch einige Baustellen gibt. Eine besteht darin, dass die Verteilung von Dermatologen zwischen Stadt und Land höchst ungleich ausfällt, wie eine Diskussionsrunde aus Hautärzten sowie Krankenkassen- und Patientenvertretern in München gezeigt hat.

Während es beispielsweise im vornehmen Münchener Stadtteil Lehel „an jedem dritten Haus“ ein Arztschild gebe, sei die Versorgung auf dem Lande oft mangelhaft.

So weist Professor Tilo Biedermann, Direktor der Münchener Hautklinik Campus Biederstein und Generalsekretär der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), darauf hin, dass die Dermatologie in Bayern an nur wenige klinische, meist universitäre Zentren in größeren Städten gebunden ist. „Dazwischen ist viel Fläche“, so Biedermann.

Von einer „regionalen Disparität“ in der dermatologischen Versorgung spricht auch Professor Matthias Augustin, Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Besonders schlecht schneide Baden-Württemberg ab, dicht gefolgt von Bayern. Weitgehend einig sind sich die Fachleute daher, dass die Patientensteuerung „ein Riesenthema“ sei.

Botox spült mehr in die Kasse

Eine Ursache für den Fakt, dass es auch Dermatologen eher selten aufs Land oder in Kleinstädte zieht, sieht Moderator Professor Andreas Beivers, Studiendekan Gesundheitsökonomie der Hochschule Fresenius, im „Dual Career Problem“. Damit zielt er darauf ab, dass zwar möglicherweise ein Arzt außerhalb von Großstädten eine adäquate berufliche Tätigkeit findet, nicht aber unbedingt dessen Partner oder Partnerin.

Eine weitere Herausforderung sehen die Fachleute in der Bezahlung dermatologischer Leistungen. Während beispielsweise die Behandlung mit einer Botox-Spritze den Ärzten viel Geld in die Kasse spüle, zahle sich die Behandlung eines Psoriasis-Patienten kaum aus, so Dr. Steffen Gass, Vizepräsident des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD). „Wir brauchen Anreize, damit sich eine echte therapeutische Behandlung für den Arzt wieder lohnt.“

Sorgen bereiten der Branche auch die hohen Kosten dermatologischer Behandlungen durch Biologika. Nach den Worten von Biedermann treibt viele Ärzte zudem die Sorge um Regressforderungen um, was sie teilweise hindere, diese Arzneimittel überhaupt zu verschreiben.

„Regressangst nicht nachvollziehbar“

Zwar gibt Dr. Larissa Weichenberger, Fachreferentin Vertragspolitik und Arzneimittel der KV Bayerns, zu verstehen, dass es für den Einsatz der Biologika klare Vereinbarungen gebe und man die „Regressangst nicht nachvollziehen“ könne.

Dagegen weist BVDD-Vertreter Gass darauf hin, dass die Wirkstoffvereinbarung erst seit 2015 gilt und es vorher durchaus Regressfälle gegeben habe. Er wisse von Ärzten, die 350.000 Euro zurückzahlen mussten. Aktuell könnten viele Ärzte „nicht ganz glauben“, dass sich die Situation verändert habe.

Immerhin, die Möglichkeiten bei der Behandlung von Krankheiten wie Psoriasis oder Hautkrebs beurteilen Fachleute heute wesentlich besser als noch vor Jahren. Einig sind sie sich auch darin, dass vor allem schwere Verläufe von Psoriasis oder Hautkrebs einen hohen Behandlungsbedarf haben.

Denn neben der eigentlichen Krankheit seien die Patienten aufgrund ihres Aussehens oft erheblichen psychischen Belastungen ausgesetzt. Das ginge hin zu schweren Depressionen oder gar Suizid.

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