Erster Konferenz zur Gesundheitspartnerschaft

Initiativen für den Wiederaufbau des ukrainischen Gesundheitssystems

Mehr als 50 Gesundheitseinrichtungen kooperieren beim Wiederaufbau des ukrainischen Gesundheitssystems. Sie setzen sich für die medizinische und psychologische Versorgung der Betroffenen im Krieg ein.

Madlen SchäferVon Madlen Schäfer Veröffentlicht:
Flagge zeigen für die Ukraine: Bei der ersten Konferenz zur Gesundheitspartnerschaft präsentierten sich viele Projekte und Initiativen.

Flagge zeigen für die Ukraine: Bei der ersten Konferenz zur Gesundheitspartnerschaft präsentierten sich viele Projekte und Initiativen.

© klinikpartnerschaften/giz

Berlin. Der Krieg in der Ukraine trifft auch das dortige Gesundheitssystem hart. Bei der ersten Konferenz der Deutsch-Ukrainischen Gesundheitspartnerschaft tauschten sich mehr als 150 Ärztinnen und Ärzte an der Charité aus. Sowohl die Charité als auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) engagieren sich mit verschiedenen Projekten innerhalb der Deutsch-Ukrainischen Gesundheitspartnerschaft. Sie wollen das Gesundheitssystem der Ukraine stärken sowie beim Wiederaufbau helfen. In dem Netzwerk kooperieren bereits mehr als 50 ukrainische und deutsche Gesundheitseinrichtungen.

Das Charité-Projekt SOLOMIYA ist eine dieser deutsch-ukrainischen Kooperationen. Seit einem Jahr hilft es bei der medizinischen und psychologischen Versorgung der Menschen in der Ukraine. „Es ist ein Herzensprojekt”, erklärte Prof. Dr. Malek Bajbouj von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Benjamin Franklin und Koordinator des Projekts.

1.000 Angriffe aus ukrainische Gesundheitseinrichtungen

Sergiy Dubrov, Erster Stellvertretender Minister des Gesundheitsministeriums der Ukraine, berichtete, wie sich der Krieg auf das Gesundheitssystem auswirkt und unter welchen Bedingungen die Menschen dort seit Monaten arbeiten. Mehr als 1.000 Angriffe habe es seit Beginn des Krieges auf ukrainische Gesundheitseinrichtungen gegeben. Insgesamt 148 Personen aus dem medizinischen Personal starben bereits, 43 kamen an ihrem Arbeitsplatz ums Leben. Außerdem wurden mehr als 650 Rettungswagen zerstört.

Dubrov ist selbst Arzt und stand während des Krieges selbst im OP-Saal, um verwundete Menschen zu operieren. An manchen Tagen hätten seine Kollegen bis zu acht Op pro Tag durchgeführt, nicht immer habe dafür ein OP-Saal zur Verfügung gestanden. Auf der Konferenz zeigte er Bilder von vor Ort. Darunter auch eines auf dem er im Dunkeln operiert, weil gerade das Licht ausgefallen war, leuchten seine Mitarbeiter mit dem Handy. „Das sind keine angenehmen Bilder, aber das ist unser Leben”, sagte Dubrov.

Die Hälfte der Bevölkerung ist traumatisiert

Nicht nur äußerliche Verletzungen spielen im Krieg eine Rolle. Die zivile Bevölkerung, die Soldaten und auch medizinisches Personal sind traumatisiert. “40 bis 50 Prozent der ukrainischen Bevölkerung wird psychologische Unterstützung unterschiedlicher Intensität benötigen”, sagte Prof. Dr. Nataliya Maruta von der Nationalen Akademie für Wissenschaft in Charkiw. Rund 15,7 Millionen Ukrainer werden laut Hochrechnungen des ukrainischen Gesundheitsministeriums psychische Probleme in der Nachkriegszeit haben.

Dazu gehören Depressionen, Angststörungen und posttraumatische Belastungsstörung. Maruta setzt sich dafür ein, die ambulante und stationäre Versorgung finanziell und personell zu stärken. Dafür seien die Integration bestehender medizinisch-sozialer und pädagogischer Dienste in ein einziges Netzwerk und partnerschaftliche Interaktionen aus ihrer Sicht notwendig.

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