BDI-Hauptstadtforum 2026
Internisten fordern von Linnemann mehr Tempo bei den Reformen
Mehr Tempo bei den Gesundheitsreformen, mehr Mitsprache für die Ärzteschaft: Der BDI drängt Minister Linnemann zum Handeln. Zudem fordert der Verband besseren Zugang von Ärzten zu Gesundheitsdaten und KI-Anwendungen.
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„Wir haben keine 100 Tage Zeit, um darauf zu warten, dass etwas passiert“: BDI-Präsidentin Christine Neumann-Grutzeck appellierte gemeinsam mit ihren Präsidiumskollegen Prof. Kevin Schulte (links) und Dr. Norbert Smetak (rechts) an die Politik, die Gesundheitsreformen zügig voranzutreiben.
© Phil Dera
Berlin. Die Vielzahl der parallel laufenden Reformvorhaben im Gesundheitswesen droht nach Ansicht des Berufsverbands Deutscher Internistinnen und Internisten (BDI) ihre Wirkung zu verfehlen, wenn diese nicht besser aufeinander abgestimmt werden. In der Pressekonferenz zum BDI-Hauptstadtforum 2026 forderte das Präsidium am Freitag den neuen Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) auf, die Ärzteschaft stärker in die Reformvorhaben einzubeziehen.
Reformen anzugehen ohne alle Beteiligten mitzunehmen, werde nicht funktionieren, sagte BDI-Präsidentin Christine Neumann-Grutzeck und mahnte, die laufenden Vorhaben stärker aufeinander abzustimmen. Die geplanten Veränderungen müssten sich an einer guten Patientenversorgung orientieren und dürften nicht zu neuen Doppelstrukturen im System führen.
Keine Zeit zum Abwarten
Von Carsten Linnemann und dem Bundesministerium für Gesundheit forderte der BDI vor allem zügiges Handeln. Man habe keine 100 Tage Zeit, um darauf zu warten, dass etwas passiert. Linnemann solle das ihm zur Verfügung stehende „Know-how“ des Bundesministeriums nutzen und das umsetzen, was dringend nötig sei, äußerte Neumann-Grutzeck gegenüber der Presse.
Ein weiteres Schwerpunktthema ist der Zugang zu Gesundheitsdaten, der durch das geplante Gesetz für Daten und Digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) neu geregelt werden soll. BDI-Viezepräsident Prof. Kevin Schulte kritisierte den aktuellen Entwurf dahingehend, dass dieser den Krankenkassen deutlich mehr Möglichkeiten zur Nutzung von Daten und KI-gestützten Prognosemodellen einräume als den behandelnden Vertragsärzten.
So könnten Krankenkassen bereits heute auf Basis von Abrechnungsdaten Risikomodelle entwickeln, um Versicherte mit erhöhtem Krankheitsrisiko zu identifizieren. Gleichzeitig fehle Ärztinnen und Ärzten bislang die Möglichkeit, vergleichbare Verfahren auf Basis der Informationen aus der elektronischen Patientenakte (ePA) für die Versorgung einzusetzen.
Medizinische Expertise trifft auf KI
Der Verband forderte deshalb Änderungen an den gesetzlichen Regelungen zur Nutzung von Daten aus der elektronischen Patientenakte. Ziel sei es, KI-gestützte Risikoanalysen auch in Arztpraxen zu ermöglichen. Moderne Datenanalysen sollten dort eingesetzt werden, wo medizinische Expertise und persönliche Kenntnis der Patienten zusammenkämen, argumentierte Schulte. Als Beispiel nannte er die frühzeitige Erkennung chronischer Nierenerkrankungen, bei denen Risikopatienten heute häufig erst spät identifiziert würden.
Nach Auffassung des Verbands werde der Erfolg der laufenden Reformen letztlich davon abhängen, wie konsequent diese an den Anforderungen der Versorgungspraxis ausgerichtet und aufeinander abgestimmt werden. Dabei komme der Einbindung der Ärzteschaft eine zentrale Rolle zu.(jtm)



