Sprachtest in Thüringen

Jeder dritte ausländische Arzt scheitert

Thüringen macht es vor: Dort sind Sprachtests für ausländische Ärzte Pflicht. Eine Auswertung zeigt jetzt: Ein Drittel der zugewanderten Mediziner fällt durch. Doch den meisten hilft bereits der zweite Anlauf.

Von Robert Büssow Veröffentlicht: 24.01.2014, 05:21 Uhr
Jeder dritte ausländische Arzt scheitert

Patientensprache - Medizinersprache: Hilft das Wörterbuch beim nötigen Transfer?

© Daniel Ernst/ Fotolia.com

ERFURT/DRESDEN. Ausländische Ärzte kommen oft mit erheblichen Sprachdefiziten nach Deutschland. Dies belegt ein obligatorischer Sprachtest für Mediziner in Thüringen: Dort ist im vergangenen Jahr jeder dritte zugewanderte Arzt durchgefallen.

Der Freistaat verlangt seit 2013 einen speziellen Deutschtest inklusive Gespräch mit einem Schauspielpatienten, bevor eine ärztliche Tätigkeit im Krankenhaus oder in der Niederlassung aufgenommen werden darf. Von 136 Prüfungen wurden 50 nicht bestanden, erklärt Dr. Nabeel Farhan von der Universität Freiburg. Der aus Mekka in Saudi-Arabien stammende Mediziner hat den Test entwickelt.

Die meisten Teilnehmer scheitern an "Wortfindungsstörungen", viele seien zudem nicht in der Lage einen Bezug zum Patienten herzustellen. "Der Transfer von der Sprache des Patienten zur Sprache der Mediziner ist die größte Herausforderung", erklärt Farhan.

"Häufig kommt es zu Zahlendrehern, einige fantasieren sich auch Aussagen des Patienten zusammen." Er gehe davon aus, dass Sprachprobleme im Alltag immer wieder zu Fehlbehandlungen führen.

Bisher sei Thüringen das einzige Bundesland, in dem der Freiburger Test verbindlich ist. Unter den geprüften Mediziner stammen 22 aus Rumänien, acht aus Russland, sowie jeweils sieben aus Serbien und dem Kosovo.

In Thüringen praktizieren derzeit 1100 ausländische Ärzte - das ist mehr als jeder Zehnte. Der Großteil stammt aus Osteuropa und arbeitet im Krankenhaus. Im Nachbarland Sachsen wird auf einen speziellen Deutschtest für Mediziner verzichtet, erklärt Knut Köhler, Sprecher der Landesärztekammer. Bislang genüge ein einfaches B2-Sprachzertifikat.

Neues Prüfzentrum für Sachsen geplant

Dieses Zertifikat müsse bei der Landesdirektion Sachsen nachgewiesen werden. "Es findet dann dort ein persönliches Gespräch statt, und wenn es Probleme gibt, werden die Ärzte zu einem Sprachkurs geschickt", so Köhler.

Viele landen bei Nabeel Farhan: "Man schickt uns aus Sachsen immer wieder Leute, bei denen sie Bauchschmerzen haben." Tatsächlich fielen viele dieser Ärzte durch.

Der Bedarf habe so stark zugenommen, dass Farhan bis Mitte des Jahres ein neues Prüfungszentrum in Sachsen einrichten will, damit die Prüflinge nicht nach Jena, Frankfurt oder Freiburg fahren müssen. Mit den Unikliniken in Leipzig und Dresden führe er bereits Gespräche.

Wer im Test durchfällt, habe noch eine zweite Chance. "Die meisten kommen nach zwei, drei Monaten wieder, und zwar mit einem völlig anderen Sprachniveau. Wenn Ärzte unter Druck stehen, lernen sie sehr schnell", sagt Farhan.

Der Landesärztekammer zufolge arbeiteten Ende 2012 in Sachsen 1800 ausländische Ärzte. Laut einer Umfrage fühlten sich 55 Prozent von den Patienten gut akzeptiert. Verständigungsprobleme mit Kollegen oder Patienten habe es nur zu Beginn gegeben. Köhler zufolge sorgen viele Krankenhäuser inzwischen selbst für die sprachliche Integration.

Rheinland-Pfalz hat einen eigenen verbindlichen Sprachtest entwickelt. Demnächst wollen auch Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Sprachprüfungen einführen. Außerdem hatte im Sommer 2013 die Konferenz der Landesgesundheitsminister die Einführung einheitlicher Prüfungen beschlossen. Bis wann, ist aber noch offen.

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