Berufspolitik

Jeder zweite Arzt rationiert - aber insgesamt bekommt die Medizin gute Noten

BERLIN (dpa/HL). Mehr als jeder zweite Arzt unterlässt oder verschiebt medizinische Behandlungen von Patienten, weil das Budget erschöpft ist.

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Das geht aus einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Finanzdienstleisters MLP hervor, deren Erarbeitung von der Bundesärztekammer unterstützt wurde. Die Ergebnisse werden am Donnerstag in Berlin vorgestellt werden.

Danach gaben 55 Prozent der 524 bundesweit befragten Ärzte an, dass sie aus Kostengründen schon auf Behandlungen "verzichten mussten". Bei jedem 10. Mediziner (12 Prozent) kommt das häufig vor. Bei 42 Prozent noch nicht.

Ärztekammer-Vizepräsident Frank Ulrich Montgomery sieht in den Antworten "eine Abrechnung der Ärzte mit der verfehlten Gesundheitspolitik der alten Bundesregierung".

Die Ärzte hätten "aus Budgetgründen auf medizinisch angezeigte Behandlungen verzichtet oder sie ins nächste Quartal geschoben", sagte er am Mittwoch der dpa. Er sei optimistisch, dass die Gesundheitspolitik unter Schwarz-Gelb besser werde.

Auch viele Patienten haben der Studie zufolge den Eindruck, dass es Einschränkungen bei der Behandlung gibt. 35 Prozent der 1800 befragten Bürger empfanden, dass ihnen bestimmte Behandlungen oder Medikamente kostenbedingt vorenthalten wurden: 38 Prozent waren gesetzlich krankenversichert, neun Prozent privat.

Jenseits dieser Ausschnitte zeigt die Studie aber ein anderes Ergebnis: Danach hat sich im Urteil der Ärzte die Gesundheitsversorgung verbessert: Sie sei gut oder sehr gut, sagen aktuell 88 Prozent. Vor zwei Jahren waren es 80 Prozent.

Damit korrespondiert die Zufriedenheit der Bürger mit der Medizin: Sie stieg von 59 auf 70 Prozent. 83 Prozent der Ärzte bewerten ihre wirtschaftliche Situation aktuell als gut oder sehr gut, zehn Prozent mehr als als 2009.

Die Honorarverbesserungen der Vertragsärzte beruhen im wesentlichen auf Neuregelungen der letzten großen Gesundheitsreform von 2007, die unter der Federführung der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) erarbeitet worden ist.

Alle Berichte zum Gesundheitsreport 2010: Im Gesundheitswesen steigt die Stimmung - bei Ärzten und bei Bürgern Gute Noten für die Gesundheitsversorgung Arztberuf ist attraktiver geworden - aber bleibt das so? Jeder zweite Arzt rationiert - aber insgesamt bekommt die Medizin gute Noten

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