Neue Kriterien geplant

Jetzt soll Ordnung ins Chaos Schmerzmedizin

Das Versorgungsangebot in der Schmerzmedizin ist unübersichtlich, Fachgesellschaften sind sich oft uneins. Jetzt aber ziehen sie alle an einem Strang: Mit klaren Struktur- und Qualitätskriterien soll es endlich mehr Transparenz geben.

Von Christoph FuhrChristoph Fuhr Veröffentlicht:
Schmerzpatienten besser und schneller behandeln - das ist das Ziel.

Schmerzpatienten besser und schneller behandeln - das ist das Ziel.

© lofilolo / iStock / Thinkstock

STUTTGART. Sie sind sich längst nicht immer einig, wenn es um den Aufbau von besseren Versorgungsstrukturen in der Schmerzmedizin geht, doch bei einem Kernproblem ziehen sie jetzt gemeinsam an einem Strang.

Die Fachgesellschaften und Verbände in der Schmerzmedizin haben sich auf einen Katalog geeinigt, in dem erstmals Struktur- und Qualitätskriterien für unterschiedliche schmerzmedizinische Einrichtungen formuliert sind.

Die Versorgungslandschaft ergebe derzeit ein völlig uneinheitliches Bild, erläuterte der Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft Dr. Gerhard Müller-Schwefe bei einer vom Unternehmen Mundipharma unterstützten Fachveranstaltung in Stuttgart.

Eine verwirrende Vielfalt

Unterschiedliche schmerzmedizinische Einrichtungen in Deutschland zeichnen sich durch eine zunehmende Spezialisierung und Komplexität aus. Nach fachgebietsbezogenen Einrichtungen folgen die Praxis/Ambulanz für Spezielle Schmerztherapie bis hin zum Zentrum für Interdisziplinäre Schmerzmedizin mit einem multiprofessionellen und multimodalen Diagnose- und Therapiekonzept.

Hinzu kommen schmerzpsychotherapeutische Einrichtungen und interdisziplinäre syndromorientierte Zentren - etwa für Kopf- oder Rückenschmerzpatienten. Eine verwirrende Vielfalt.

Kriterien müssen überprüfbar sein

Jetzt soll mehr Transparenz entstehen. Die "Gemeinsame Kommission der Fachgesellschaften und Verbände in der Schmerzmedizin" hat schmerzmedizinische Einrichtungen definiert und festgelegt, welche Kriterien sie erfüllen müssen: So gibt es etwa Einrichtungen, von denen erwartet wird, dass der Leiter jährlich 40 Stunden schmerzmedizinische Fortbildung und zehn offene Schmerzkonferenzen nachweisen muss.

Kriterium kann zum Beispiel auch sein, ob Versorgung an fünf Wochentagen angeboten wird oder wie viele neue Patienten pro Jahr mindestens behandelt werden müssen.

Wichtig, so Müller-Schwefe, sei es, dass die Klassifizierung Strukturen definiere, die im bestehenden Versorgungssystem umsetzbar und überprüfbar sind.

Die Fachgesellschaften empfehlen auch die Einführung eines Fachkundenachweises Schmerzmedizin. Nicht einig sind sie sich, wenn es um den Facharzt für Schmerzmedizin geht, den Müller-Schwefe unermüdlich fordert.

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