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Cannabis

Junge Kiffer sind besonders suchtgefährdet

Bei längerem Cannabiskonsum besteht Suchtgefahr. Gefährdet sind vor allem junge Menschen, bei denen die Hirnentwicklung noch nicht abgeschlossen ist.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht:

Wer sich fragt, ob Cannabis süchtig macht, muss sich den aktuellen Drogenbericht der Bundesregierung ansehen. Demnach liegt der Anteil der Cannabisabhängigen bei 18- und 64-Jährigen in der Bevölkerung bei 0,5 Prozent.

Am gravierendsten ist das Problem bei den unter 25-Jährigen: Hier gilt Cannabis als Hauptgrund dafür, dass eine Suchtbehandlung in Anspruch genommen oder eine Suchthilfeeinrichtung aufgesucht wird.

Nach Regierungsangaben haben derzeit rund 600.000 vorwiegend junge Menschen "Probleme mit dem Konsum" der sogenannten weichen Droge. Dabei stieg die Zahl derjenigen, die wegen Cannabis eine ambulante Suchtbehandlung in Anspruch genommen haben, zwischen 2007 und 2013 um 31 Prozent.

Laut der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, ist "Cannabis mehr denn je zum Problem für junge Menschen geworden".

Gefährlich in der Gehirnentwicklung

Aber worin liegt die besondere Gefahr für Jugendliche und junge Erwachsene? Das Gehirn entwickelt sich bis zu einem Alter von 25 Jahren, schreibt der US-Psychiater Deepak D'Souza von der Yale University in Connecticut (JAMA 2015; 313: 2431).

In dieser Zeit reife auch das körpereigene Endocannabinoid-System heran. "Von außen zugeführte Cannabinoide können dieses System in nicht physiologischer Weise aktivieren", so der Experte. Dies sei mit langfristigen Veränderungen in Verhalten und Kognition verknüpft.

Experten gehen davon aus, dass bis zu zehn Prozent der Konsumenten von Cannabis abhängig werden. Jost Leune, Geschäftsführer des Fachverbands Drogen- und Suchthilfe, sieht im frühen Konsumbeginn einen der Hauptrisikofaktoren für die Suchtentwicklung, neben psychischen Problemen, kiffenden Freunden und mangelnder Unterstützung durch die Familie.

Die Symptome der Cannabissucht entsprechen einer klassischen psychischen Abhängigkeit: Die Betroffenen haben nach Weglassen der Droge Entzugserscheinungen wie innere Leere, Freudlosigkeit, Antriebsmangel, Konzentrationsstörungen und Unruhe.

Schlafstörungen und Appetitmangel

Auch vegetative Symptome wie Schlafstörungen und Appetitmangel sind möglich. Für Leune sind bei Dauerkiffern noch weitere Suchtkriterien erfüllt: die Gewöhnung an die Wirkung und der Kontrollverlust über den Konsum.

Wird Cannabis therapeutisch in retardierter Form eingesetzt, ist die Suchtgefahr jedoch gering. Dies bestätigte der Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft, Professor Michael Schäfer, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" (ÄZ vom 3.3.2015).

Das Haupteinsatzgebiet von Cannabinoiden in der Schmerztherapie liegt nach Schäfer nicht bei Jugendlichen: "Das Gros der Patienten ist im deutlich fortgeschrittenen Alter."

Wenn man Schmerzpatienten mit Cannabis behandele, müsse man dennoch verschiedene Punkte beachten: "Wie ist der Patient psychisch aufgestellt, wie ist seine Vorgeschichte, welche anderen Erkrankungen hat er?"

Nach D'Souza gilt es vor jedem therapeutischen Einsatz von Marihuana, Kontraindikationen abzuklären. Eine Substanzabhängigkeit gehöre dazu, aber auch Schizophrenie oder eine bipolare Störung.

In jedem Fall sei für den medizinischen Einsatz von Cannabis ein ebenso strenger Zulassungsprozess zu fordern wie bei jedem anderen Medikament auch. (eo)

Lesen Sie dazu auch: Cannabis: Dauerstreit um das Recht auf den Rausch

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