Notfälle

KBV und Marburger Bund ziehen an einem Strang

Die Versorgung der Notfallpatienten muss besser koordiniert werden. Jetzt wollen niedergelassene Ärzte und Klinikärzte zusammenarbeiten, bevor die Politik ihnen Vorgaben macht.

Von Christiane BadenbergChristiane Badenberg Veröffentlicht:
Notaufnahmen, hier im Klinikum Braunschweig, werden zum Politikum.

Notaufnahmen, hier im Klinikum Braunschweig, werden zum Politikum.

© picture alliance / dpa

BERLIN. Für eine Reform der Notfallversorgung wollen niedergelassene Ärzte und Kliniker zusammenarbeiten. Gemeinsam sollen der Politik Vorschläge unterbreitet werden, wie eine sinnvolle Strukturreform aussehen könnte. Darauf haben sich die Spitzen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und des Marburger Bundes (MB) bei einem Treffen verständigt.

Einig sind sich beide Seiten, dass es für Notfallpatienten eine gemeinsame und einheitliche Anlaufstelle geben müsse, in der eine erste Einschätzung des Patienten vorgenommen wird. Rettungsdienste und der vertragsärztliche Bereitschaftsdienst müssten daran beteiligt werden, teilten MB und KBV am Freitag mit. Konkrete Schritte soll nun eine gemeinsame Arbeitsgruppe entwickeln, in der Vorstände und Fachleute der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und des MB vertreten sein sollen. Diese Gruppe solle möglichst schnell zusammentreten. Durch die Veröffentlichung der Ergebnisse des Treffens habe man sich unter einen gewissen Handlungsdruck gesetzt, heißt es bei der KBV.

Die telefonische Ersteinschätzung, das Fernbehandlungsverbot oder eine regionale Versorgungsplanung müssten dabei auf der Tagesordnung stehen, betont der MB. Auch sollte es eine gemeinsame Oberfläche für die Notfallnummer 112 sowie die bundesweite Bereitschaftsdienstnummer 116 117 geben. Die Arbeitsgruppe müsse sich zudem auf Prozesse der Notfallversorgung einigen. Dafür müsse geklärt werden, auf welche Art die Ersteinschätzung vorgenommen werden solle und auf welche Daten die jeweiligen Ärzte – ob niedergelassen oder angestellt – Zugriff haben sollen, berichtet Dr. Susanne Johna. Sie hat als Mitglied des Bundesvorstands für den MB an dem Gespräch teilgenommen und gilt im Verband als Expertin für dieses Thema.

Nach dem Treffen zeigten sich KBV-Chef Dr. Andreas Gassen und der Vorsitzende des MB Rudolf Henke einig, dass es nur eine gemeinsame Lösung des immer drängenderen Problems der Notfallversorgung geben kann. "In die Reform der Notfallversorgung müssen alle Beteiligten einbezogen werden", sagte Gassen nach dem Treffen. "Wir sind uns einig, dass die Ärzte in den Notaufnahmen der Krankenhäuser entlastet werden müssen, kommentierte der MB-Vorsitzende Rudolf Henke das erste Gespräch.

Die Reform der integrierten Notfallversorgung soll durch Modellprojekte begleitet und weiterentwickelt werden.Wichtig sei es, künftig Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Einmal erhobene Befunde und Daten sollten jeweils für die Weiterbehandlung zur Verfügung stehen, schreiben die Beteiligten in einer gemeinsamen Erklärung. Beide Seiten sprechen sich für eine extrabudgetäre Vergütung der Notfallversorgung aus. Derzeit recherchiert das Berliner IGESInstitut im Auftrag des GBA die Notfallstrukturen an allen Kliniken.

Auch an anderer Stelle sind Kooperationen zwischen Vertragsärzten und Krankenhäusern in der Diskussion. KBV und GKV-Spitzenverband haben eine Überprüfung der Verteilung fachärztlicher Kapazitäten gefordert. Die Vertragsärzte schlagen vor, die fachärztliche Versorgung einschließlich ambulanter Operationen dort zu übernehmen, wo unwirtschaftlich arbeitende Krankenhäuser geschlossen werden müssen.

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