Fachärztliche Versorgung

KBV und Kassen wollen Sektorengrenzen einreißen

Überraschende Einigkeit: Vertragsärzte und Krankenkassen prangern unisono Probleme in der fachärztlichen Versorgungsstruktur an. Gerät eine Harmonisierung in Reichweite?

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:

BERLIN. Vertragsärzte und Krankenkassen prangern unisono das ungesteuerte Nebeneinander von fachärztlicher Versorgung in der Arztpraxis und im Krankenhaus an. Eine „Verschlechterung der Versorgung“ sieht der Vize-Chef des GKV-Spitzenverbands Johann-Magnus von Stackelberg in dieser Dopplung. Aber: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sieht für die kommende Legislaturperiode die Chance, die Zahl der Krankenhäuser zu verringern, ohne eine medizinische Versorgung an den betroffenen Standorten aufzugeben.

Mehr als ein Viertel der Krankenhäuser arbeitet defizitär. Studien zufolge weichen 83 Prozent der knapp 2000 Krankenhäuser deshalb in den Markt der ambulanten Versorgung aus. Nach der Gründung von Medizinischen Versorgungszentren und ambulantem Operieren im eigenen Haus ist die Kooperation mit den Vertragsärzte demnach erst die dritte Option.

Dieser Entwicklung tritt die KBV nun mit eigenen Ideen entgegen. Kern der Pläne ist, mit den Krankenhausträgern und den Kommunen gemeinsame Versorgungskonzepte zu entwickeln. „Die Standorte vieler Krankenhäuser wird man erhalten können, die Kliniken selbst nicht immer“, sagte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen am Freitag vor Journalisten.

In den Blick nehmen wollen die Vertragsärzte nicht die Maximalversorger, sondern diejenigen Häuser, die zum Beispiel lediglich über eher schwach ausgelastete internistische und chirurgische Abteilungen verfügten. Aus ihnen sollen dort, wo auch nicht mehr in jeder Siedlung niedergelassene Ärzte zu finden sind, Versorgungszentren entstehen können, die nicht zwingend von den Ärzten selbst kaufmännisch geführt werden müssten.

Ein Hebel ist für die KBV eine Wiederbelebung des Belegarztwesens. Auch das ambulante Operieren in Praxiskliniken spielt in diesen Überlegungen eine tragende Rolle. Hier begegnen sich auch wieder die Konzepte von KBV und den Kassen. Die sehen beim ambulanten Operieren mit Sorge auf wachsende Überkapazitäten, die vor allem im darin weniger regulierten stationären Sektor geschaffen würden.

Beide Seiten fordern nun zusätzlich zur ambulanten Bedarfsplanung, die derzeit neu ausgerichtet wird, eine echte sektorenübergreifende Analyse der Verteilung fachärztlicher Kapazitäten im Land. Hier sehen sich die Vertragsärzte klar im Vorteil, weil thematisch deutlich breiter aufgestellt als viele Krankenhäuser.

Mehr zum Thema
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Derzeit haben rund 400 Ärztinnen und Ärzte in Bayern die Zusatzbezeichnung Homöopathie erlangt. Künftig ist dies nicht mehr möglich.

© Mediteraneo / stock.adobe.com

80. Bayerischer Ärztetag

Bayern streicht Homöopathie aus Weiterbildungsordnung

Nach erfolgreicher Sondierungswoche (v.l.n.r): Robert Habeck und Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz und FDP-Chef Christian Lindner am Freitag in Berlin.

© Kay Nietfeld/picture alliance

Update

Erfolgreiche Sondierung

Das plant die Ampelkoalition im Bereich Gesundheit