Berufspolitik

KV Berlin fordert: Richtgrößenprüfungen abschaffen!

Richtgrößenprüfungen bilden die zunehmende Spezialisierung in den Praxen nicht mehr ab und bringen deshalb viele Ärzte in die Bredouille, kritisiert die KV Berlin. Sie will die Prüfungen abschaffen.

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In jeder Fachgruppe gibt es Diagnostiker und Arzneiversorger. Versorger geraten durch Richtgrößenprüfungen immer mehr unter Druck.

In jeder Fachgruppe gibt es Diagnostiker und Arzneiversorger. Versorger geraten durch Richtgrößenprüfungen immer mehr unter Druck.

© RB-Pictures / fotolia.de

BERLIN (ami). Die neuen Arzneimittel-Richtgrößen in Berlin gefährden die spezialisierte Versorgung durch niedergelassene Ärzte.

Diese Auffassung vertritt die KV Berlin. Sie fordert die Abschaffung der Richtgrößenprüfung im Zuge des Versorgungsstrukturgesetzes.

"Die historische Richtgrößen-Regelung gehört auf den Müllhaufen der Geschichte", sagte das für Arzneimittel zuständige Vorstandsmitglied der KV Berlin Burkhard Bratzke am Mittwoch.

Die Festlegung von Richtgrößen auf der Basis eines Fachgruppendurchschnitts ist aus seiner Sicht "nicht mehr sachgerecht".

KV Berlin prüft Klage gegen Schiedsspruch

Bratzke verweist darauf, dass es aufgrund der zunehmenden Spezialisierung in der Medizin in jeder Fachgruppe Diagnostiker und Medikamentenversorger gibt. Die neue Richtgrößenregelung bilde diese Spezialisierungen nicht ausreichend ab.

Die Regelung gilt seit Juli und wurde vom Schiedsamt festgelegt. Ob eine Klage gegen den Schiedsspruch Aussicht auf Erfolg hat, prüft die KV Berlin derzeit noch.

Ein Praxisbeispiel liefert der Gastroenterologe Dr. Rolf Drossel. Er betreut viele Patienten mit komplizierten chronischen Darmerkrankungen und berichtet, dass er sein Verordnungsvolumen trotz Urlaubs bereits jetzt um rund 30.000 Euro überschritten hat.

Spezialisierte Versorgung in Gefahr

Drossel fürchtet, dass die neue Richtgrößenregelung in Berlin langfristig zur Abschaffung der spezialisierten Versorgung durch niedergelassene Ärzte führt. Bereits jetzt würden nur noch 30 Prozent der Gastroenterologen die spezialisierte Betreuung von Patienten übernehmen.

"Mit den nun beschlossenen Richtgrößen ist es unmöglich, in diesen Praxen eine leitliniengerechte Therapie anzubieten. Im Klartext heißt das, dass sich noch mehr Kollegen aus der spezialisierten Betreuung zurückziehen müssen", so Drossel.

Spürbare Folgen

Die Folgen sind für Patienten bereits spürbar. Drossel berichtet von Kollegen, die Patienten mit Privatrezepten für Biologicals im Wert von rund fünftausend Euro zur Krankenkasse schicken.

Die Angiologin Dr. Maria Klose, Chefin des Berliner Verbands der niedergelassenen Facharzt-Internisten (BNFI) fürchtet, dass Patienten wie Bittsteller zwischen Praxen hin und her geschoben werden.

KV-Vorstand Bratzke hat erfahren, dass die Hochschulambulanzen in Berlin bereits erhöhten Patientenzulauf verzeichnen. Sie sind von der Richtgrößen-Regelung ausgenommen.

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