Berufspolitik

KV Nordrhein drängt zum Nachkodieren

Ärger mit dem Kodieren: In Nordrhein sollen Ärzte falsche Kodierungen selbst korrigieren - so möchte es gerne das Gesundheitsministerium. Allerdings macht bislang nur jeder zweite Arzt mit. Die KV fürchtet, dass das bares Geld kosten kann.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Kodieren: ein Streitthema unter Ärzten. Kodierfehler dürfen die KVen nicht selbst verbessern.

Kodieren: ein Streitthema unter Ärzten. Kodierfehler dürfen die KVen nicht selbst verbessern.

© [M] AZ | Miqul / fotolia.com

DÜSSELDORF. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNo) sucht weiter nach einem Verfahren, um die Kodierqualität in den Praxen zu verbessern.

Der Handlungsbedarf ist groß, betonte der KVNo-Vorsitzende Dr. Peter Potthoff bei der Vertreterversammlung in Düsseldorf. "Die Honorarzuwächse, die wir generieren wollen, hängen von dem Nachweis ab, dass wir eine höhere Morbidität haben", sagte er.

Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium hatte die Praxis der KVNo bemängelt, offensichtliche Kodierfehler nach entsprechender Information der Ärzte selbst zu korrigieren. Das Ministerium hatte dagegen ein aktives Handeln der Ärzte gefordert.

Als Konsequenz hat die KV ein neues Verfahren entwickelt. Sie übermittelt den Praxen nach der Prüfung der Abrechnung Vorschläge zur Änderung der Kodierung.

Auf einem neuen Faxformular können die Ärzte dann ausfüllen, welche der Vorschläge sie für medizinisch zutreffend und notwendig halten.

Mit der Rücksendung des Formulars, für die sie eine Frist erhalten, beauftragen die Mediziner die KVNo, die Abrechnung entsprechend zu modifizieren.

Die Gefahr von Pickeln

Das Verfahren hat zum ersten Mal für die Abrechnung des vierten Quartals 2011 gegriffen. "Wir haben erst eine Rücklaufquote von 50 Prozent", berichtete Potthoff.

Das sei deutlich zu wenig. "Die 50 Prozent Differenz werden uns demnächst viel Geld kosten."

Er könne verstehen, wenn Ärzte sich über manche Spitzfindigkeiten der Kodierung ärgern, sagte der Gynäkologe. In seiner Praxis hätte es elf Änderungswünsche gegeben, davon sieben zur fehlenden Angabe der Schwangerschaftswoche.

Das sei aber bei Patientinnen nach einer Geburt oder nach einem Abort schwierig. In solchen Fällen müsse die Diagnose lauten: "Schwangerschaftswoche nicht näher bezeichnet", berichtete er.

"Wenn man darüber nachdenkt, kriegt man Pickel", so der KV-Vorsitzende Potthoff.

Die KVNo könne die geringe Rücklaufquote nicht hinnehmen, sagte der Kölner Hausarzt Dr. Lothar Rütz. "Wir müssen eine Quote von 95 Prozent hinbekommen." Offensichtlich müsse die KV einen gewissen Druck auf die Kollegen ausüben.

"Hier geht es um das Geld aller Ärzte", sagte Rütz. Der Allgemeinmediziner Dr. Jens Uwe Wasserberg aus Bedburg schlug vor, Ärzte mit einer höheren Verwaltungsabgabe zu belegen, wenn sie die Formulare nicht zurückschicken.

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