GBA-Führung

Kassen und Ärzte setzen nun auf Frauenpower

Die neuen Kandidatinnen für den Gemeinsamen Bundesausschuss stehen fest: Elisabeth Pott, ehemals Chefin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, und Monika Lelgemann, bis 2016 Leiterin des Gesundheitsamtes Bremen.

Von Susanne Werner Veröffentlicht:
Rund um den GBA hat es in den vergangenen Wochen viele Personaldiskussionen gegeben.

Rund um den GBA hat es in den vergangenen Wochen viele Personaldiskussionen gegeben.

© G-BA / axentis.de / Lopata

BERLIN. Zwei Medizinerinnen könnten künftig mit an der Spitze des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) stehen: Der Verwaltungsrat des Spitzenverbandes der Krankenkassen (GKV) hat am Mittwoch Monika Lelgemann nominiert. Die 58-jährige Ärztin war bis Ende 2016 kommissarische Leiterin des Gesundheitsamtes Bremen und zuvor beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDS) tätig. Ärzte, Zahnärzte und Kliniken hatten sich zuvor bereits auf Elisabeth Pott, ehemals Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), verständigt.

Mit den Kandidatinnen könnten die Personalprobleme an der Spitze des GBA nun gelöst werden. Wie berichtet waren die ursprünglich als unparteiische GBA-Mitglieder nominierten Kandidaten – Uwe Deh, Ex-Vorstand des AOK-Bundesverbandes, sowie Lars Lindemann, Geschäftsführer des Spitzenverbandes der Fachärzte – am Veto des Gesundheitsausschusses im Bundestag gescheitert. Die Abgeordneten hatten Bedenken an deren Unabhängigkeit und Unparteilichkeit geäußert.

Gesetzt ist bislang nur der unparteiische Vorsitzende, Professor Josef Hecken. Ob Lelgemann und Pott den bisherigen unparteiischen Mitgliedern Dr. Harald Deisler (für die Kassenseite) und Dr. Regina Klakow-Franck (für Ärzte und Kliniken) 2018 nachfolgen werden, hängt davon ab, ob der Gesundheitsausschuss diesen Vorschlägen nun zustimmt. Bis zum 10. August muss das Schreiben der beiden Bänke beim Bundesgesundheitsministerium eingegangen sein. Danach hat der Gesundheitsausschuss sechs Wochen Zeit, die Vorschläge zu prüfen.

Während Deisler aus Altersgründen nicht mehr antritt, hätte Klakow-Franck gerne weiter gemacht. Viele Akteure bescheinigten ihr, eine gute Arbeit gemacht zu haben. Zuletzt hatte sich die Patientenvertretung im GBA für ihre Wiederberufung ausgesprochen. "Wir haben uns dafür eingesetzt, dass Persönlichkeiten mit hoher Fachkompetenz und ausgewiesener Neutralität und Patientenorientierung benannt werden. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir den neuen Vorschlag", heißt es nun.

Dr. Christiane Groß, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, freut sich, dass zwei Frauen, die auch Ärztinnen sind, nun für die GBA-Spitze antreten. "Pott und Lelgemann sind aufgrund ihrer Vorerfahrungen gute Besetzungen und wissen, worauf es ankommt." In allen ärztlichen Gremien gebe es leider jedoch zu wenig Frauen. Monika Lelgemann war bereits Ende Juni von GKV-Seite nominiert worden – damals allerdings für den Posten des zweiten Stellvertreters des unparteiischen Vorsitzenden. Für dieses Ehrenamt geht nun Ex-Barmer-Vorstand Dr. Rolf-Ulrich Schlenker ins Rennen.

Die Kandidatin der Leistungserbringer, Professor Elisabeth Pott, ist unter Gesundheitsexperten wohl bekannt. 30 Jahre lang leitete sie jene Behörde, mit der sich Kassenvertreter aktuell heftig über die Umsetzung des Präventionsgesetzes streiten. Vertreter der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) und der KBV schätzen ihre Qualifikation und ihre umfassenden Kenntnisse des medizinischen Versorgungssystems. "An ihrer Unabhängigkeit ist in keiner Weise zu zweifeln", erklärt DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Ähnlich äußert sich KBV-Chef Dr. Andreas Gassen: "Elisabeth Pott ist eine Kandidatin mit den besten Voraussetzungen für die Aufgaben im GBA." Als Medizinerin und Expertin für Prävention bringe die ehemalige BZgA-Chefin ein hohes Maß an Sachverstand und Erfahrung mit in das Amt.

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