Gesundheitspolitik international

Keine Chance für Gesundheitsreform in den USA?

BERLIN (fuh). Barack Obama oder John McCain? Wer auch immer neuer US-Präsident wird: Die Chance, dass er eine große Gesundheitsreform initiiert, ist nach Auffassung von Experten gering. Das ist bei einer Veranstaltung des Hauptstadtkongresses in Berlin deutlich geworden.

Veröffentlicht: 06.06.2008, 17:21 Uhr

Der Reformdruck im Land wird zunehmend größer, berichtete die US-Amerikanerin Robin Osborn vom Commonwealth Fund. Immer noch sind 48 Millionen Menschen in den USA ohne Krankenversicherung. Hinzu kommt: Der Druck auf die US-Mittelschicht wächst, weil für Versorgung immer mehr Geld aus eigener Tasche zugezahlt werden muss.

Die Probleme im Versorgungssystem verschärfen sich auch deshalb, weil die Zahl der Unternehmen, die für ihre Mitarbeiter sogenannte "Health Plans" als Versicherungsschutz anbieten, sinkt.

Widersprüche bei der Versorgung werden größer.

Das Thema Gesundheitsversorgung steht inzwischen ganz oben auf der Liste der Problemthemen, die US-Bürger beunruhigen, sagte Osborn. Aber reicht der wachsende Druck für einen großen Reformschlag nach der Präsidentschaftswahl aus?

Reinhard Busse, Professor für Gesundheitsmanagement an der Technischen Universität Berlin, ist gerade von einem gesundheitspolitischen Kongress aus Princeton im US-Bundesstaat New Jersey zurückgekommen. Die überwältigende Zahl der US-Experten habe dort die Auffassung vertreten, dass die Vereinigten Staaten derzeit weiter von einer Gesundheitsreform entfernt seien als noch vor 15 Jahren. sagte er. Zur Erinnerung: Damals scheiterten Bill Clinton und seine maßgeblich in das Projekt eingebundene Ehefrau Hillary kläglich mit einem groß angelegten Reformkonzept, das eine Krankenversicherung für alle US-Bürger versprach.

Barack Obamas Gesundheitsprogramm sieht zwar eine generelle Versicherungspflicht für alle US-Bürger nicht vor. Immerhin will er diese Pflicht aber für alle Kinder einführen. McCain hingegen hält überhaupt nichts von einer Versicherungspflicht. Er setzt im Gesundheitswesen vielmehr auf die freien Kräfte des Marktes. Der Republikaner favorisiert Steueranreize und Finanzhilfen für Menschen, die sich versichern möchten.

"Americans have the best health care system in the world" hatte US-Präsident George W. Bush 2004 unmissverständlich klargestellt. Dies sei sicher keine evidenzbasierte Aussage gewesen, räumte Osborn beim Hauptstadtkongress ein: "Die Äußerung war wohl eher als Hoffnung zu verstehen."

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