Berufspolitik

Klinikstreik: Versorgung nur im Notfall

NEU-ISENBURG (akl). Die Ärzte an den kommunalen Kliniken streiken ab Montagheute. Schwerpunkte bilden Baden-Württemberg, Bayern und Hessen. Weitere Bundesländer sollen folgen. Die Ärzte fordern vor allem eine bessere Bezahlung ihrer Bereitschafts- und Nachtdienste sowie fünf Prozent mehr Gehalt.

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Heute beginnt der Arbeitskampf der Mediziner in kommunalen Krankenhäusern: Diesmal soll es die Arbeitgeber hart treffen. © dpa / Bildfunk

Heute beginnt der Arbeitskampf der Mediziner in kommunalen Krankenhäusern: Diesmal soll es die Arbeitgeber hart treffen. © dpa / Bildfunk

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Für Montag plant die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) eine zentrale Kundgebung und Demonstration in München. Erwartet werden Mediziner aus dem gesamten Bundesgebiet. Welche Kliniken sich am Streik beteiligen werden, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. "Nach und nach werden die Landesverbände mitteilen, welche Kliniken betroffen sind", sagt Hans-Jörg Freese, Sprecher des MB. Wie lange der Streik dauern wird, ist ungewiss. Die Ärztegewerkschaft zeigt sich kämpferisch: "Der Streik ist unbefristet. Wir haben einen langen Atem", sagt Freese. Die Klinikärzte seien in der Lage durchzuhalten, bis die Arbeitgeber die Forderungen des MB akzeptieren würden.

Doch nicht in allen Bundesländern streiken die Ärzte: Berlin und Hamburg sind nicht mit dabei, weil es hier in den vergangenen Monaten schon zu einer Einigung zwischen MB und den Krankenhausarbeitgebern gekommen ist. Dass bisher kein bundesweiter Abschluss erzielt worden ist, erklärt Freese damit, dass die Position des VKA ideologisch motiviert sei. Der VKA wolle nicht über die mit verdi vereinbarten 2,9 Prozent hinausgehen. Das sei aber für den MB keine Verhandlungsbasis. Die Tarifgemeinschaft mit verdi wurde 2006 aufgelöst, weil der MB die Interessen der Ärzte in einer "Riesengewerkschaft" nicht mehr adäquat vertreten sah.

MB-Chef Rudolf Henke versichert, dass trotz des Streiks die Notfallversorgung der Patienten sichergestellt sei. "Die Versorgung in den Kliniken wird auf Wochenendniveau runtergefahren", sagt Henke. Um die Versorgung, die keinen Aufschub duldet, abzusichern, gibt es Notdienstvereinbarungen zwischen Arbeitgebern und den MB-Landesverbänden. Bei planbaren Eingriffen müssten die Patienten auf Krankenhäuser anderer Träger ausweichen. Henke hatte bereits auf der Hauptversammlung des MB klar gemacht, dass einen Arbeitskampf wie 2006 diesmal nicht geben werde. Arbeit, die wegen des Streiks liegen bliebe, werde auch nicht nachgeholt. Die Vereinigung kommunaler Arbeitgeber (VKA) zeigt dagegen kein Verständnis für den Streik. "Sie wollen nur Geld, Geld, Geld", sagt VKA-Sprecherin Katja Christ.

Wo wird gestreikt? Unser laufend aktualisierter Streikatlas zeigt es Ihnen.

Lesen Sie dazu auch: Streik in Kliniken - Krise erreicht jetzt die Medizin Klinikstreik: Versorgung nur im Notfall Union will Ärzte und Kliniken auf Sparkurs zwingen Kommentar: Heißer Sommer ist programmiert

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