Kostentreiber Krebsmittel? Neue Studie belegt das Gegenteil

Neue Krebsarzneien sind nicht ursächlich für die Finanzmisere der gesetzlichen Kassen, behauptet das Berliner IGES Institut und legt eine neue Studie vor: Demnach beträgt der jährliche Ausgabenanstieg bei den Mitteln nur eine Promille.

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Innovative Krebsmittel galten bisher als Kostenfaktor in der GKV. Die neuen Zahlen zeigen allerdings in eine andere Richtung.

Innovative Krebsmittel galten bisher als Kostenfaktor in der GKV. Die neuen Zahlen zeigen allerdings in eine andere Richtung.

© ineula / fotolia.com

Von Sunna Gieseke

BERLIN. Die Meinung über die Kostenentwicklung bei Krebsmitteln war in den Medien gesetzt - von einer "Kostenlawine" war die Rede, von "astronomischen Preisen" der Präparate und einer "Gefährdung des gesamten Gesundheitssystems".

Das IGES Institut wagt nun eine neue Prognose für die Arzneimittelausgaben bei Krebsmedikamenten. Denn die aktuelle IGES-Studie belegt das genaue Gegenteil: Demnach gab es keine Kostenexplosion durch teuere Krebsmedikamente und wird es auch künftig keine geben. In der bis 2013 jährlich erwarteten Ausgabensteigerung für sämtliche Arzneimittel von vier Prozent seien "lediglich 0,1 Prozentpunkte durch Krebsmittel bedingt", sagte der Leiter des IGES Professor Bertram Häussler bei der Vorstellung der Studie am Mittwoch in Berlin.

Die von IGES initiierte Studie entstand mit Unterstützung der sogenannten Local Area Working Group (LAWG), einer Arbeitsgemeinschaft internationaler Pharmaunternehmen. Der Projektkoordinator der LAWG, Dr. Hans-Nikolaus Schulze-Solce hofft nun, dass die Ergebnisse der Studie zu einer "Versachlichung der Diskussion um Krebsarzneimittel beitragen" werden. Zwar würden die Kosten für die Krebsmittel wachsen, allerdings seien die Ausgabensteigerungen "nicht alarmierend", sagte Schulze-Solce. Die von der Koalition geplante schnelle Nutzenbewertung von neuen Arzneimitteln sei "ein Schritt zur Ermittlung fairer Preise". Diese seien notwendig, "um die enormen Entwicklungskosten für innovative Präparate zu decken, die häufig nur wenigen Patienten zu Gute" kämen.

IGES-Chef Häussler warnte jedoch, dass es "sachlich sehr schwierig" sei, eine frühe Nutzenbewertung der Krebsmittel durchzuführen. Gerade bei Krebsmedikamenten zeige sich der Zusatznutzen in der Regel erst nach etwa drei Jahren.

Für seine Studie analysierte das IGES Institut den Einsatz von Krebsmedikamenten von 2005 bis 2009. Auf dieser Datenbasis wurden dann Verbrauch und Kosten für die Krebsmittel bis zum Jahr 2013 geschätzt.

Lesen Sie dazu auch: Kassen können Kosten bei Krebs im Griff behalten

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