Offizielle Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums

Krankenkassen haben fast keine Rücklagen mehr

Die Finanzreserven in der GKV sind mit 2,1 Milliarden Euro weniger als halb so hoch wie gesetzlich vorgeschrieben. Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz liegt bereits bei über 2,9 Prozent.

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Die Krankenkassen verfügen GKV-weit zu Jahresbeginn nur noch über Finanzreserven von 2,1 Milliarden Euro.

Die Krankenkassen verfügen GKV-weit zu Jahresbeginn nur noch über Finanzreserven von 2,1 Milliarden Euro.

© Maurizio Gambarini / dpa

Berlin. Die gesetzlichen Krankenkassen sind praktisch ohne Rücklagen in dieses Jahr gestartet. Ihre Finanzreserven beliefen sich zum Jahresende 2024 auf nur noch 2,1 Milliarden Euro. Das entspricht 0,08 Monatsausgaben der Kassen und damit weniger als die Hälfte der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestrücklage von 0,2 Monatsausgaben.

Das hat das Bundesgesundheitsministerium am Freitag mitgeteilt. Zum Vergleich: Zur Jahresmitte 2021 bunkerten die Kassen noch 16,6 Milliarden Euro. Wie prekär unzureichende Rücklagen sein können, ist vor wenigen Tagen bei einer Pflegekasse deutlich geworden – sie musste beim Bundesamt für soziale Sicherung (BAS) einen Antrag auf Finanzhilfen stellen.

Das Defizit der Kassen liegt mit 6,22 Milliarden Euro noch etwas höher, als die Ärzte Zeitung im Vorfeld ermittelt hat. Die Leistungsausgaben je Person sind im Vorjahr um 7,8 Prozent gestiegen – die Spannweite nach Kassenart reicht dabei von 6,9 Prozent (AOK) bis zu 10,5 Prozent (Knappschaft). Überdurchschnittliche Kostenanstiege verzeichnet die Statistik unter anderem für Heilmittel (10,4 Prozent), Arznei- und Verbandmittel (9,9 Prozent) oder Schutzimpfungen (10,9 Prozent).

Plus von 13,1 Prozent bei Pflegepersonalkosten im Krankenhaus

Unterdurchschnittlich haben sich die Ausgaben etwa für Zahnersatz (3,8 Prozent), Früherkennungsmaßnahmen (3,9 Prozent) oder Ärztehonorare (6,3 Prozent) entwickelt. Der größte Ausgabenposten – für stationäre Behandlung – hat im Vorjahr mit 8,7 Prozent leicht überdurchschnittlich zugenommen. Ein besonders dynamisches Wachstum verzeichnen dabei die Pflegepersonalkosten im Krankenhaus, die allein um 2,6 Milliarden Euro oder 13,1 Prozent zugelegt haben.

Die Netto-Verwaltungskosten der Kassen sind 2024 um 74 Millionen Euro auf 12,68 Milliarden Euro gesunken. Lässt man die Altersrückstellungen außen vor, dann ergibt sich ein Anstieg um 641 Millionen Euro oder 5,3 Prozent.

Die durchschnittlich erhobenen Zusatzbeiträge haben sich mit 2,92 Prozent längst entkoppelt vom Zusatzbeitragssatz, den das BMG im vergangenen November auf 2,5 Prozent festgelegt hat. Ursache dafür sei die „unerwartet starke Ausgabenentwicklung“, so das BMG. Die Kassen müssten ihre zuvor aufgelösten Finanzreserven als Folge wieder auffüllen.

Aus Sicht des geschäftsführenden Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) ist die Finanzsituation der GKV insbesondere Versäumnissen in den vergangenen Legislaturperioden geschuldet. „Der Schlüssel zu stabilen GKV-Finanzen sind tiefgreifende Strukturreformen des Gesundheitswesens“, so Lauterbach.

Liquiditätsreserve im Gesundheitsfonds geschrumpft

Als erfreuliche Entwicklung bezeichnet das BMG, dass die sektorenübergreifende Versorgungsform via Hybrid-DRG einen kräftigen Schub erhalten habe und Ausgaben in Höhe von rund 563 Millionen Euro nach sich zog. Davon entfiel mit 432 Millionen Euro der Großteil auf Krankenhäuser. Diese hätten bei den entsprechenden vollstationären DRG-Abrechnungspositionen starke Rückgange zu verzeichnen.

Der Gesundheitsfonds verbuchte im Vorjahr ein Minus von 3,7 Milliarden Euro und verzeichnete zum 15. Januar dieses Jahres noch eine Liquiditätsreserve von 5,7 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor lag diese noch bei 9,4 Milliarden Euro. (fst)

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