Krebsgesellschaft will Kassen für Studien nach Arzneizulassung mit ins Boot holen

Kassen beteiligen sich an Nachzulassungs-Studien, dafür gibt es Preisrabatt vom Hersteller: Dieses Geschäft auf Gegenseitigkeit schlägt die Deutsche Krebsgesellschaft vor.

Veröffentlicht:

KÖLN (iss). Krankenkassen sollten sich finanziell an wissenschaftlichen Studien zu bereits zugelassenen Arzneimitteln beteiligen, fordert der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft Dr. Johannes Bruns. Im Gegenzug müsste die pharmazeutische Industrie den Kassen einen Rabatt auf den Arzneimittelpreis einräumen, sagte Bruns auf der MCC-Fachkonferenz "Onkologie 2010" in Köln. Das könnte in die Preisverhandlungen zwischen Kassen und Pharmaindustrie eingebaut werden. "Über solche Rabattstudien können wir das Preisdumping und die Nutzensteigerung zusammenbringen", sagte er. Die Krankenkassen würden in eine langfristig effizientere Nutzung der Arzneimittel investieren.

Bei der häufig diskutierten Diskrepanz zwischen den Kosten von Arzneimitteln und dem nachgewiesenen Nutzen dürfe das Interesse nicht nur darauf abzielen, den Preis zu senken, forderte er. "Ich muss auch sehen, wie ich den Nutzen steigern kann, und das geht nur über Studien." Die Schnellbewertung des Nutzens von Medikamenten könnte ein Instrument sein, um das Preisniveau für Studien festzusetzen.

An vielen Studien, die von wissenschaftlichem Interesse sind, hätte die pharmazeutische Industrie nach der Zulassung kein Interesse. Man könne aber von den Kassen nicht verlangen, die Studien allein zu finanzieren. Für ein Engagement der Kassen müsste zunächst die gesetzliche Grundlage geschaffen werden.

Dreiseitige Verträge zwischen Kassen, Herstellern und Wissenschaftlern könnten dazu beitragen, dass es in Deutschland mehr Untersuchungen zum direkten Vergleich zwischen zwei Produkten gibt, sagte Bruns.

Um Europa zum innovationsstärksten Wirtschaftsraum zu machen, haben sich die EU-Mitgliedsstaaten im Jahr 2000 in Lissabon zum Ziel gesetzt, dass die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen sollen. "Das Lissabon-Ziel ist in Deutschland bisher immer unterschritten worden", erinnert der Generalsekretär.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Zahlen von vfa und IGES

Krebsmedikamente bleiben innovativ – und teuer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Abb. 1: Finale Analyse der SPOTLIGHT-Studie zum fortgeschrittenen, Claudin-18.2-positiven und HER2-negativen Adenokarzinom des Magens/AEG: Gesamtüberleben (PPS-Population)

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [8]

Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Zolbetuximab: Standardtherapie bei CLDN18.2+/HER2− Magenkarzinomen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

KV Thüringen

Akutpraxis in Gera: Praxismodell gegen den Ärztemangel

Systematisches Review

Kortikosteroide bei schwerer Pneumonie wahrscheinlich nützlich

Lesetipps
Nie wieder spritzen? Small Molecules wie Orforglipron (C48H48F2N10O5) haben viele Vorteile gegenüber herkömmlichen Inkretinmimetika, etwa orale Einnahme, leichtere Lagerung und niedrigere Kosten.

© Kassandra / stock.adobe.com

Innovative Diabetestherapie

Nicht-peptidische GLP-1-Rezeptoragonisten am Start

Eine Frau fässt sich mit den Händen an die Brust

© Art_Photo / stock.adobe.com

Unterschiede der Geschlechter

Herzinfarkte und Ischämie bei Frauen: Was ist wirklich anders?