Prognose

Krebsregister hinken gesetzlichem Zeitplan hinterher

Klinische Krebsregister sind Teil der Qualitätsoffensive im Gesundheitswesen. Doch bei ihrem Aufbau hakt es gewaltig.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:

BERLIN. Der Aufbau klinischer Krebsregister in den Ländern ist nicht im Zeitplan. In einigen Bundesländern gibt es auch dreieinhalb Jahre nach Inkrafttreten des Krebsfrüherkennungs- und Registergesetzes noch keine landesrechtlichen Vorgaben, es fehlen Standards für den Datenaustausch, die Zusammenarbeit von Registern und Gemeinsamem Bundesausschuss ist ungeklärt.

Zudem hakt es allgemein bei der Datenqualität. Auch die medizinisch-wissenschaftliche Seite ist in Verzug. Bislang gibt es Datensätze nur für Brust- und Darmkrebs.

Ziel bis 2017 wohl nicht zu erreichen

Ein Gutachten der Prognos AG aus Basel im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes kommt nun zu dem Ergebnis, dass die gesetzlich vorgegebene Zielmarke, die Register bis Ende 2017 bundesweit zum Laufen zu bringen, voraussichtlich nicht gehalten werden kann.

"Das ist aus gutachterlicher Sicht sehr unwahrscheinlich", sagte Marcel Hölterhoff von der Prognos AG am Donnerstag in Berlin.

Lediglich Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und dem Saarland trauen die Schweizer auf der Basis ihrer Erhebungen zu, fristgerecht alle vorgegebenen Kriterien zu erfüllen.

Dieses Ziel gefährdet sehen sie dagegen für Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Für die übrigen Länder hat Prognos kein klares Bild ermitteln können.

Investitionen in Praxissoftware nötig

Ärzte sind vom Aufbau der klinischen Krebsregister unmittelbar betroffen. Sobald die Strukturen tatsächlich stehen, sind sie verpflichtet, die Register über das Auftreten, die Behandlung und den Verlauf von bösartigen Neubildungen zu informieren.

Dazu sind Investitionen in die Praxissoftware notwendig. Ziel des Gesetzgebers ist es, die Daten zur Qualitätssicherung und zur Versorgungsforschung zu nutzen. Zum Beispiel soll daraus abgelesen werden können, ob medizinische Leitlinien beachtet werden oder regionale Unterschiede in der Behandlung bestehen.

"Register sind kein Selbstzweck, sondern haben ein klares Ziel: Sie sollen die Versorgung von Krebskranken qualitativ verbessern", sagte die Vorsitzende des GKV-Spitzenverbands bei der Vorstellung des Gutachtens.

Bei einem vollständigen Ausbau der Register rechnet Pfeiffer mit Kosten von 50 Millionen Euro für deren Betrieb. Von GKV-Seite hieß es am Donnerstag, dass mit weiteren 50 Millionen Euro im Jahr an Honoraren für Ärzte gerechnet werde, die Krebsdiagnosen an die Register weiterleiten.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Wolfgang P. Bayerl

Qualitätssicherung und Versorgungsforschung ? ...

.. früher war das Motiv wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn, genannt Epidemiologie.
Da ist das Ausland z.T. wirklich weiter. Nur bitte nicht übertreiben mit der Datenmenge auf Kosten der täglichen Routine und selbstverständlich ANONYM. Krankenkassen mit ihrer EDV wären hier auch eine geeignete Datenquelle.
Schaden kann es jedenfalls nicht.


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