Direkt zum Inhaltsbereich

Prostatakarzinom-Früherkennung

Beim PSA-Test sind Hausärzte die wichtigste Informationsquelle

Was Männer über Prostata-spezifisches Antigen zur Krebs-Früherkennung wissen, wissen sie meist von ihren Hausärzten. Mit der neuen S3-Leitlinie kommt es um so mehr darauf an, dass diese sie kundig beraten.

Dr. Bianca BachVon Dr. Bianca Bach Veröffentlicht:
Hausärzte waren bei einer Untersuchung Befragten zufolge beim PSA die wichtigste Informationsquelle. (Symbolbild)

Hausärzte waren bei einer Untersuchung Befragten zufolge beim PSA die wichtigste Informationsquelle. (Symbolbild)

© Peakstock / stock.adobe.com

Hannover. Erst seit wenigen Wochen gibt es die neue S3-Leitlinie „Prostatakarzinom“. Da Männer einer aktuellen Langzeitstudie zufolge die meiste Information zur Prostatakrebs-Vorsorge von ihren Hausärztinnen und Hausärzten beziehen, die die Messung des Prostata-spezifisches Antigens (PSA) teils kritisch sehen, macht es Sinn, sich damit zu befassen, was dazu in der interdisziplinären Leitlinie steht.

Wie Dr. Kay-Patrick Braun, Allgemeinmedizin, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und niedergelassen in Cottbus, beim DEGAM-Kongress 2025 sagte, ist der PSA-Wert gerade im hausärztlichen Bereich wegen der möglichen Überdiagnostik und Übertherapie, mit all ihren Konsequenzen bis hin zu „Inkontinenz und erektiler Dysfunktion in einem hohen Prozentsatz“ nach radikaler Prostatektomie, nach wie vor umstritten.

Mortalitätssenkung bei Älteren

„Es gibt aber ganz aktuelle Ergebnisse, dass bei den 55- bis 69-Jährigen eine signifikante Senkung der Mortalität durch eine regelmäßige PSA-basierte Früherkennung erreicht werden kann“, betonte der Allgemeinmediziner unter Verweis auf Daten aus der European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer.

Auch gab er die Beeinträchtigung der Lebensqualität durch lokal destruierende und metastasierende Karzinome zu Bedenken.

Lesen sie auch

Laut Braun halten 30-40 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte eine PSA-Bestimmung für einen effektiven Test, 75 Prozent empfehlen ihn. Entscheidend ist aber, und das ist auch das Hauptergebnis der von Braun vorgestellten KABOT (Knowledge and belief over time)-Studie: Hausärztinnen und Hausärzte sind für die Patienten die wichtigste Informationsquelle in Sachen Früherkennung.

KABOT ist eine Langzeitanalyse zu Veränderungen im Kenntnisstand und der Inanspruchnahme der Früherkennung des Prostatakarzinoms – und auch des kolorektalen Karzinoms. 2009 erhielten dafür 55, und 2021155 hausärztliche Praxen in Berlin und Brandenburg jeweils 50 Fragebögen, um sie an männliche Patienten ab 35 Jahren auszugeben.

Ein Drittel der Männer kennt den PSA-Test nicht

Letztlich beteiligten sich 29 Praxen, mit insgesamt 890 auswertbaren Fragebögen. Heraus kam, dass die Koloskopie, zu der auch zunehmend Krankenkassen ihre Versicherten anhalten, zuletzt 2019 mit 81,5 Prozent einen signifikant höheren Bekanntheitsgrad hatte als der PSA-Wert, von dem nur 65,9 Prozent der Befragten wussten.

Hausärzte waren beim PSA die wichtigste Informationsquelle: 2009 hatten 46,2 Prozent und 2021 etwas mehr als die Hälfte der Patienten davon vom Hausarzt gehört. Tatsächlich wahrgenommen hatten den PSA-Test 42,9 Prozent und 52,6 Prozent.

„Wir haben über den Untersuchungszeitraum eine signifikante Inanspruchnahme der PSA-Früherkennung herausarbeiten können“, resümierte Braun. Als Gruppen mit besonderem Beratungsbedarf identifizierten die Forschenden Männer mit geringer Schulbildung und Raucher.

Eine positive Familienanamnese für maligne Erkrankungen und der Versicherungsstatus hatten keinen Einfluss auf Kenntnis und Inanspruchnahme der Prostatakrebs-Vorsorge.

„Unter Berücksichtigung der aktuellen Leitlinie und der höchstwahrscheinlich daraus resultierenden Empfehlungen wird uns Hausärztinnen und Hausärzten eine noch größere Rolle im Rahmen der Früherkennung zu Teil werden“, so Braun.

Und das sagt die neue interdisziplinäre S3-Leitlinie

„Die digital-rektale Untersuchung als Früherkennung ist out“, sagte der Allgemeinmediziner Dr. Kay-Patrick Braun.

Dabei handelt es sich um eine klare Grad-A-Empfehlung. Bezüglich des PSA-Wertes haben sich die Expertinnen und Experten darauf geeinigt, Männer ab 45 Jahren und mit einer Lebenserwartung von mindestens zehn Jahren, die eine Früherkennung wünschen, ergebnisoffen über die Vor- und Nachteile zu beraten und ihnen dann gegebenenfalls eine PSA-Bestimmung anzubieten. Die Kontrollintervalle erfolgen risikoadaptiert nach Höhe des PSA-Wertes:

• <2,5 ng/ml: alle fünf Jahre

• 1,5-2,99 ng/ml: alle zwei Jahre

• ≥ 3 ng/ml: binnen drei Monaten

Bestätigt sich ein Wert ≥3 ng/ml nach drei Monaten, ist der weitere Weg vorgezeichnet: „Ab zum Urologen!“ Dann erfolge in der Regel eine Magnetresonanztomografie zur weiteren Diagnostik, sagte Braun. „Inwieweit das jetzt in die Früherkennungs-Richtlinien Einzug halten wird, bleibt abzuwarten.“

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Vor weiterführender Diagnostik

Muss ein erhöhter PSA-Wert immer bestätigt werden?

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim

BCMA-gerichtete CAR-T-Zelltherapie rückt nach vorn

Cilta-cel setzt Standards im ersten Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, Neuss, a Johnson & Johnson company
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Gastbeitrag

Keine Versorgungsgerechtigkeit bei stationärer Diabetes-Behandlung

Warnzeichen früh erkennen

Immundefekte: Das ist die Basisdiagnostik für die Praxis

Porträt

Wie ein Hausarzt mit seinem„Medmobil“ Obdachlose versorgt

Lesetipps
Ein langer Wurm liegt in einer behandschuhten Hand.

© Clouds Hill Imaging / Science Photo Library

Ascariasis

Wurm in der Hose: Was tun bei hartnäckigem Spulwurmbefall?