Länder starten Machtpoker um Ärzteverteilung

Die Länder wollen bei der Bedarfsplanung stärker mitmischen. Doch Gesundheitsminister Rösler verbannt den Konfliktstoff in eine Kommission.

Von Sunna Gieseke Veröffentlicht:
Es geht um Macht und Geld: Länder wollen bei der Bedarfsplanung mehr Mitspracherecht.

Es geht um Macht und Geld: Länder wollen bei der Bedarfsplanung mehr Mitspracherecht.

© [M] Schmeling / fotolia.com

BERLIN. Die Machtbalance im Gesundheitswesen soll neu austariert werden: Die Länder wollen nicht nur bei der Bedarfsplanung künftig kräftig mitmischen. Schließlich müssten sie "oft die Missstände ausbaden", die auf anderer Ebene verursacht würden, sagte ein Sprecher eines Landesgesundheitsministeriums.

Aus diesem Grund haben die Länder in einer Sondersitzung der Gesundheitsministerkonferenz ein detailliertes Papier vorgelegt, dass ihre Rechte umfassend regeln soll. Um künftig direkten Einfluss auf die Bedarfsplanung zu erhalten, wollen sie neben Kassen und Kassenärztlichen Vereinigungen an den Landesausschüssen beteiligt werden. So könnten sie eine aktive Rolle in der Ärzteverteilung einnehmen - und gewännen damit auch mehr Macht im Gesundheitswesen.

Und das Ganze soll schnell gehen: Die Forderungen sollen bereits in das aktuelle Gesetzgebungsverfahren einfließen. Schließlich plant Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), den Ärztemangel auf dem Land nun mit einem Gesetz anzugehen. In einer gemeinsamen Kommission mit den Ländern sollen im ersten Halbjahr 2011 dazu Eckpunkte abgestimmt werden.

Nach Ansicht Röslers wird sich das Problem des Ärztemangels künftig verschärfen. Das Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärzte liege bereits bei über 55 Jahren. Daher müsse sich die Politik jetzt um den Ärztenachwuchs kümmern. So müsse der Anreiz für junge Mediziner erhöht werden, sich auf dem Land niederzulassen. Dazu gehöre unter anderem die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Länder haben für das Problem des Ärztemangels vor allem eine Lösung: "Um die Verteilung von Ärzten in den Flächenländern besser steuern zu können, muss die Bedarfsplanung neu gestaltet werden", forderte die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, die niedersächsische Ressort-Chefin Aygül Özkan (CDU).

Die Bedarfsplanung solle "flexibler und kleinräumiger" werden. Dabei gehe es nicht einfach um mehr Ärzte. Ziel sei es, Ärzte stärker dorthin zu bringen, wo sie benötigt würden. Die rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Malu Dreyer (SPD) ergänzte: Vor Ort wisse man am besten, wo es hakt. Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Manuela Schwesig (SPD) kritisierte die geplante Kommission: Damit verliere die Politik wertvolle Zeit. Niedergelassene Ärzte und Kliniken sollten möglichst schnell besser zusammenarbeiten, forderte sie.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Alles, nur keine Reformblockade!

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Datenschutz im Praxisalltag

ePA 2026: Schutzlücken bleiben – wie sie im Alltag umschifft werden können

„Unser ältester Patient ist 86!“

Erwachsen mit Mukoviszidose: Versorgung muss sich anpassen

Heimkehrer

Dr. Petrakis’ Weg von Kreta an die Saar – und wieder zurück

Lesetipps
Ein älterer Mann muss stark husten und hält eine Hand auf seine Brust.

© Getty Images

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist