Direkt zum Inhaltsbereich

Internationale Gesundheitspolitik

Lehren aus Corona: Hilfsorganisationen fordern globales Pandemie-Abkommen

Multi-Stakeholder-Initiativen wie ACT-A seien im Kampf gegen Pandemien ein ungeeignetes Instrument, kritisieren Hilfsorganisationen im Vorfeld des diesjährigen World Health Summit. Zielführend sei etwas anderes.

Veröffentlicht:
Impfen gegen Pandemien: Die weltweit gerechte Verteilung von Vakzinen stellt laut Hilfsorganisationen eine der größten Herausforderungen dar.

Impfen gegen Pandemien: Die weltweit gerechte Verteilung von Vakzinen stellt laut Hilfsorganisationen eine der größten Herausforderungen dar.

© picture alliance / Simon Belcher/imageBROKER

Berlin. Vor Beginn des am Sonntag (15. Oktober) in Berlin beginnenden World Health Summit haben Hilfsorganisationen verbindlichere Zusagen von Regierungen und Unternehmen in der internationalen Gesundheitspolitik angemahnt.

Erfahrungen der Corona-Krise zeigten, dass der Zuwachs neuer freiwilliger privat-öffentlicher Partnerschaften nicht ausreichend sei, um auf Pandemien reagieren zu können, schreiben die Aktion Brot für die Welt, das Global Policy Forum und das Misereor-Hilfswerk in einer am Freitag verbreiteten Mitteilung. Schwerpunkt des diesjährigen World Health Summit ist die Frage, wie sich Politik und Gesellschaft besser auf künftige Pandemien vorbereiten können.

„Fragmentierte globale Gesundheitsarchitektur

Seit Jahrzehnten habe die Welt mit den Herausforderungen einer „stark fragmentierten globalen Gesundheitsarchitektur“ zu tun, schreiben die drei Hilfsorganisationen. Zahlreiche internationale Vereinigungen plus verschiedene Multi-Stakeholder-Initiativen – also Zusammenschlüsse zwischen Regierungen, Privatstiftungen und Pharmakonzernen – hätten zu einer wachsenden Unübersichtlichkeit im Krisenmanagement geführt. Dies habe auch zu einer „unkoordinierten Reaktion auf die COVID-19-Pandemie“ geführt.

So sei die globale Multi-Stakeholder-Initiative „Access to COVID-19 Tools Accelerator“ (ACT-A) initiiert unter anderem von der WHO, als zentraler internationaler Mechanismus zur Eindämmung der Pandemie gedacht gewesen. Die Initiative sei aber nicht nur bei der weltweit gerechten Verteilung von Impfstoffen, sondern auch daran gescheitert, weitere Akteure im Bereich globaler Gesundheit zu koordinieren, sagte Dr. Klaus Schilder, Referent für Entwicklungsfinanzierung bei Misereor.

WHO muss zentraler Player sein

Das habe einerseits daran gelegen, dass wohlhabende Länder im globalen Norden selbst Impfstoffe gehortet hätten, andererseits aber auch an Problemen, die mit einer Initiative wie ACT-A einhergegangen seien. „Solche Initiativen beruhen auf freiwilligen Selbstverpflichtungen aller Beteiligten. Es braucht aber stattdessen mehr Verbindlichkeit von Seiten der Regierungen und Unternehmen, um den Zugang zu Gesundheit für alle weltweit zu gewährleisten“, sagte Karolin Seitz vom Global Policy Forum.

Um auf Pandemien besser vorbereitet zu sein, verhandelt die WHO derzeit mit ihren Mitgliedsstaaten ein Abkommen zur Prävention, Vorsorge und Bekämpfung von Pandemien. Aus Sicht der drei Hilfsorganisationen muss Ziel sein, „die WHO hier in ihrer zentralen Rolle als koordinierende Instanz in der globalen Gesundheitspolitik zu stärken und Multi-Stakeholder-Initiativen deren Zielen unterzuordnen“.

Die WHO müsse die zentrale Instanz bei der Verteilung von Vakzinen in Pandemiezeiten sein, „diese entscheidende Frage darf nicht Unternehmen überlassen sein“, sagte Julia Stoffner, Gesundheitsexpertin bei Brot für die Welt. (hom)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Ungewöhnliche Studie

Konsequente Blutdrucksenkung – ein Ansatz zur Demenzprävention

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Esteban Roman Garcia hat einen modernen OP eingerichtet, mit allen erforderlichen Geräten, um effizientes Arbeiten zu ermöglichen.

© privat

Praxismanagement

Arzt und Unternehmer: Chirurg in Ostwestfalen auf Expansionskurs

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: dem Finanzdienstleister MLP SE, Wiesloch
Logo vom ÄrzteTag extra der Ärzte Zeitung mit dem Porträt des Podcast-Gesprächspartners Reinhard Pfingsten von der apoBank

© apoBank

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Wie können Ärztinnen und Ärzte das neue Altersvorsorgedepot für den Ruhestand nutzen, Herr Pfingsten?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deutscher Apotheker- und Ärztebank (apoBank)
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Risikopatienten identifizieren

Osteoporose: So verhindern Sie die (nächste) Fraktur

Ein Jahr ePA

Hausarzt berichtet: „ePA gehört zum Praxisalltag“

Lesetipps
Schematische Darstellung der Lunge mit Bakterienbesiedlung.

© Working Moments / stock.adobe.com

Mikrobiomforschung

Atemwegs-Dysbiose befeuert Lungenerkrankungen