Kommentar zum FDP-Parteitag

Liberales Wunschkonzert

Erneut gerieren sich die Liberalen als die Steuersenkungspartei schlechthin. In der Gesundheitspolitik setzen sie indes auf Digitalisierung und eine Bereinigung der Kassenleistungen.

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:
Liberales Wunschkonzert

© Michaela Illian

Es fühlt sich an wie ein Déjà-vu. Ähnlich wie 2009 hat die FDP zu einem Höhenflug angesetzt und erzielt bei der Sonntagsfrage aktuell zwölf Prozent. Das machtpolitische Ziel lautet Regierungsbeteiligung, in jedem Fall Rot-Rot-Grün verhindern oder „Armin Laschet mit Annalena Baerbock nicht allein lassen“, wie FDP-Parteichef Christian Lindner am Freitag bei der Eröffnung des Wahlparteitags sagte.

Die Frage ist nicht nur, wie viel liberale Handschrift die FDP in einer Koalitionsvereinbarung mit den größeren Partnern von Union und Grünen durchsetzen könnte, sondern wie realistisch dieses Programm überhaupt ist.

Erneut gerieren sich die Liberalen als die Steuersenkungspartei schlechthin: Die Streckung und Glättung des Einkommenssteuertarifs bis 90 .000 Euro für Ledige, ab der der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift (zur Zeit liegt die Grenze bei 56 .000 Euro), wäre die größte Steuerentlastung, die es je in Deutschland gegeben hätte. Sie würde vor allem den Mittelstand und Leistungsträger entlasten. Wie aber Steuerausfälle von mehreren zehn Milliarden Euro bei gleichzeitigem Wiederinkrafttreten der Schuldenbremse – auch dies eine liberale Kernforderung – gegenfinanziert werden sollen, bleibt offen.

Auch das sozialpolitische Paradigma der FDP steht auf tönernen Füßen: Mehr Investitionen in eine bessere Bildung sollen Aufstiegschancen für alle eröffnen. Das soll sozialpolitische Reparaturarbeiten weitgehend erübrigen. Das ist Wunschdenken ebenso wie die geforderte Neuordnung der Kompetenzen von Bund und Ländern in der Bildungspolitik.

Das zeigt sich auch in der Gesundheitspolitik. Am Ende der Pandemie stehen Kranken- und Pflegeversicherung vor Defiziten, die nicht mehr aus Reserven gespeist werden können, und vor weiteren Ausgabenerhöhungen als Folge teurer Spahnscher Gesetze. Die Hoffnung der FDP, dies mit einer Bereinigung um versicherungsfremde Leistungen, Digitalisierung und Bürokratieabbau kompensieren zu können, hat nichts mit Realpolitik zu tun.

Gleichwohl: Erneut setzt Ikarus zum Höhenflug an. Es nahm schon 2013 kein gutes Ende.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Interview

Frau Neumann-Grutzek: Ist die Krankenhausreform eine Enttäuschung?

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ärztin im Gespräch mit einem Patienten

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Tipps für den Reha-Antrag

Vorsorge oder Reha: Was es für die Genehmigung durch die Kostenträger braucht

Menschen in der Börse gucken auf ihre Bildschirme.

© Seth Wenig/AP/dpa

Praxiswissen Geldanlage

Die Börsentrias: Geduld, Disziplin und Sparplan

Ein todkranker Patient liegt in einem Bett auf der Palliativstation im Krankenhaus.

© ARMMY PICCA / stock.adobe.com

Palliativregisteranalyse

Menschen mit Krebs: Viel Schmerz am Lebensende