Berufspolitik

MRSA erfordert auch Engagement der Vertragsärzte

BERLIN (wul). Will man die Infektionsraten mit resistenten Erregern in Deutschland senken, müssen alle Bereiche, die Patienten betreuen, zusammenarbeiten.

Veröffentlicht: 15.05.2011, 11:23 Uhr

"MRSA ist mittlerweile kein reines Krankenhaus-Problem", sagte Andreas Kintrup, Geschäftsbereichsleiter Qualitätssicherung der KV Westfalen-Lippe (KVWL), auf dem Hauptstadtkongress.

Die Zusammenarbeit zwischen Kliniken, niedergelassenen Ärzten und Heimen funktioniere aber nicht immer gut. Den Grund sieht Kintrup in der mangelnden Kommunikation.

EU-Projekt EUREGIO-MRSA erfolgreich

Das es auch anders geht, zeigt das EU-Projekt EUREGIO-MRSA Twente/Münsterland, an dem sich die KVWL beteiligt. Um die Versorgung der Patienten zu verbessern, wurde in dem Projekt eine zwölfmonatige Weiterbetreuung von MRSA-Patienten nach Entlassung aus dem Krankenhaus entwickelt.

Niedergelassene Ärzte erhalten bereits jetzt für die ambulante Therapie von MRSA-besiedelten und -infizierten Patienten sowie für die diagnostische Untersuchung von Risikopatienten eine Vergütung. Die Grundlage für den Erfolg des Konzepts ist nach Kintrups Angaben eine enge Zusammenarbeit von stationärem und ambulantem Sektor.

Allerdings können niedergelassene Ärzte mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, nicht jeden Fall von MRSA-Besiedlung behandeln. Die besten Erfolgsaussichten bestehen in Fällen ohne sogenannte sanierungshemmende Faktoren wie zum Beispiel offene Wunden oder Katheter, sagte Kintrup.

Unsachgemäße Antibiotika-Verordnung ein Hauptrisikofaktor

Das ist bei rund 30 Prozent aller MRSA-Patienten der Fall. Andernfalls empfahl er den Ärzten, sich an einen MRSA-Experten zu wenden.

Als einer der Hauptrisikofaktoren für die Entstehung und Weiterverbreitung von MRSA gilt die unsachgemäße Antibiotika-Verordnung. Um die Ärzte für das Thema zu sensibilisieren, führte die KV Westfalen-Lippe nach eigenen Angaben in den vergangenen sechs Jahren 17 Infoveranstaltungen durch, an denen etwa 3000 Ärzte teilgenommen haben.

"Wir konnten bei diesen Ärzten einen merklichen Rückgang von Antibiotikaverordnungen feststellen", sagte Kintrup.

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