Direkt zum Inhaltsbereich

Mehr Erreger sollen ins Gesetz

Multiresistenten Keimen den Garaus machen - mit dem geänderten Infektionsschutzgesetz sollte das besser gelingen. Doch die Politik bringt sich selbst um den Erfolg, sagen jetzt sogar FDP-Politiker.

Veröffentlicht:
E.coli und K.pneumoniae: Auch sie sollen verstärkt ins Visier genommen werden.

E.coli und K.pneumoniae: Auch sie sollen verstärkt ins Visier genommen werden.

© Klaus Rose

BERLIN (sun). Die Hygiene-Skandale in Kliniken reißen nicht ab: Die FDP-Politiker Lars Lindemann und Jens Ackermann haben daher die Regierung aufgefordert, beim Infektionsschutzgesetz noch einmal bei der Prävention nachzubessern.

Das geht aus einem Änderungsantrag zum zweiten Gesetz zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften (AMG-Novelle) hervor, der der "Ärzte Zeitung" vorliegt.

Die Novelle des Infektionsschutzgesetz ist am 4. August 2011 in Kraft getreten. Darin ist geregelt, dass ambulant tätige Ärzte für ein Screening auf multiresistente Erreger eine Vergütung erhalten.

Allerdings ist diese Vergütung auf MRSA-Stämme beschränkt. Aus Sicht Lindemanns ist das jedoch nicht ausreichend: "Wir bringen uns mit der jetzigen Regelung selbst um den Erfolg", sagte er der "Ärzte Zeitung".

Beschränkung des Screenings nicht gerechtfertigt

Daher sollte auch das Screening für multiresistente Erreger wie Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE), Escherichia coli und Klebsiella-Stämme ausgeweitet werden, fordert er.

Diese Keime breiteten sich in Klinik und Praxis aus und könnten auf andere Patienten übertragen werden, wenn die Betroffenen verlegt werden, heißt es in dem Änderungsantrag. Damit würden Dritte gefährdet, warnen die FDP-Politiker.

Es sei also nicht zu rechtfertigen, dass die Vergütungsregelung für das Screening auf nur eine hochgefährliche Bakterienart eingeschränkt sei.

Schätzungen des Robert Koch-Instituts zufolge gibt es jährlich in Deutschland etwa 64.000 nosokomiale Infektionen in Intensivabteilungen. Rund 14.000 Intensivpatienten sterben jedes Jahr an den Folgen der Infektion.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Dr. Horst Grünwoldt 27.07.201211:25 Uhr

Infektions-Prävention

Potentiell oder opportunistisch krankmachende Bakterien können sich auch in Hospitälern nicht ausbreiten, sondern werden bekanntlich auf unhygienische Art ggf. verschleppt und auf "Nährböden" ,wie Unfall- oder Operations-Wunden, verschmiert und können sich dort erst als Infektions-Dosis vermehren.
Wegen der ständig ablaufenden Mutations-Rate bei sich rasant teilenden Mikroorganismen, werden wir immer wieder zufällig entstandene, genetisch veränderte Keime entdecken, deren virulente Eigenschaften nicht in jedem Fall zunehmen, sondern durchaus auch reziprok verlaufen kann. Und vermutlich sogar in der Mehrzahl der Spontan-Mutationen!

Insofern dürfte die Liste der aufzunehmenden potentiell pathogenen Bakterien immer länger werden. Sie sollte sich deshalb schon auf die "etablierten" Keime beschränken, die unter unhygienischen Umständen auch pathogen sein können. Jedenfalls sollte es keine Auswahl durch Politiker dafür geben...
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (FTA für Hygiene und Mikrobiologie) aus Rostock

Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion von Gilead Sciences beim DÖAK 2025 von links: Dr. Nazifa Qurishi, Fachärztin für Innere Medizin und Infektiologie, Gemeinschaftspraxis Gotenring Köln; Kelly Cavalcanti, HIV-Aktivistin und Referentin für Gesundheit und Empowerment, Köln, und Martin Flörkemeier, Senior Director Public Affairs, Gilead Sciences, München

© Gilead

Unternehmen im Fokus

HIV-Versorgung: Vertrauen in unruhigen Zeiten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte

Übergriffiges Verhalten im Gesundheitswesen

Medizinstudentin zu sexueller Belästigung: „Ich möchte beim Ärztetag nicht mit ,Hase‘ angesprochen werden“

Lesetipps
Patient vor der CT-Untersuchung der Lunge.

© jovannig / stock.adobe.com

Telemedizin für Prävention

Lungenkrebs-Screening: Das Münsterland zeigt, wie es funktionieren kann

Frau sitzt nachts auf ihrem Bett und schaut ins Licht ihrer Nachttischlampe.

© stokkete / stock.adobe.com

Von unten nach oben

Stufenschema bei Insomnie: So bei Schlafstörungen therapieren