Mehr Forschung für Waisenkinder der Medizin

Der Eva Luise und Horst Köhler Forschungspreis für Seltene Erkrankungen 2010 geht an zwei Ärzte, die zur hypokaliämischen periodischen Paralyse (HypoPP) forschen.

Von Ina Harloff Veröffentlicht:
"Forschung gibt Hoffnung": Eva L. Köhler, Schirmherrin der Selbsthilfeorganisation "ACHSE". © dpa

"Forschung gibt Hoffnung": Eva L. Köhler, Schirmherrin der Selbsthilfeorganisation "ACHSE". © dpa

© dpa

BERLIN. Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer seltenen Erkrankung. "Orphan Diseases" werden diese Krankheiten genannt. Mediziner zählen rund 6000 davon. Oft ist auch die Rede von den "Waisenkindern unter den Krankheiten", da sie wegen ihrer Seltenheit nur unzureichend erforscht sind. Die Folge: Es fehlt an Spezialisten und wirksamen Therapien. Dabei sind viele Orphan Diseases lebensbedrohlich oder führen zu Invalidität.

"Am schlimmsten ist die Ungewissheit", sagte die Gattin des Bundespräsidenten, Eva Luise Köhler, bei der Preisverleihung des "Eva Luise Köhler Forschungspreises für Seltene Erkrankungen" diese Woche in Berlin. Betroffene wüssten häufig nicht, woran sie eigentlich leiden und auch Ärzte seien in solchen Situationen ratlos. "Und selbst, wenn nach einem langen Weg endlich eine Diagnose gefunden wurde, gibt es oftmals keine Therapie, die Abhilfe schaffen kann", so Köhler. Wichtig sei daher, die Forschung voranzutreiben: "Forschung gibt Hoffnung." Gemeinsam mit der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE) verleiht die Eva Luise und Horst Köhler Stiftung für Menschen mit Seltenen Erkrankungen darum jedes Jahr den mit 50 000 Euro dotierten Forschungspreis. "Damit wollen wir Betroffenen das Recht auf Forschung schenken und gleichzeitig die Öffentlichkeit, aber auch die Wissenschaft und die Pharmaindustrie auf diese vernachlässigte Patientengruppe aufmerksam machen", sagt Köhler.

Die hypokaliämische periodische Paralyse (HypoPP) ist eine solche Seltene Erkrankung. Unter 100 000 Menschen trifft es im Schnitt einen. Patienten leiden episodisch an Muskellähmungsattacken. Im Alter kann sich aus der vorübergehenden Muskelschwäche ein Dauerzustand entwickeln. "Neun Prozent unserer Patienten sitzen im Rollstuhl", sagte Dr. Karin Jurkat-Rott von der Universität Ulm. Gemeinsam mit ihrem Heidelberger Kollegen Dr. Marc-André Weber forscht sie auf der Basis bereits zugelassener Medikamente an der Verbesserung der Arzneimitteltherapie für diese Patienten. Für ihre Forschungsarbeit erhielten die beiden Mediziner den Forschungspreis für Seltene Erkrankungen 2010.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 1: sPGA-Ansprechen über zwei Jahre

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [1]

Psoriasis-Therapie bei Kindern und Erwachsenen

PDE-4-Hemmer: erste orale Systemtherapie für Kinder − auch bei besonderen Manifestationen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Arzt in einem weißen Arztkittel spricht mit einem männlichen Patienten über die Ergebnisse der medizinischen Untersuchung und gibt anhand dieser eine Behandlungsempfehlung ab.

© Pcess609 / stock.adobe.com

Kommunikationsfehler vermeiden

Tipps: So sollten Sie mit Patienten über Risiken und Zahlen sprechen

Weltkugel mit Viren

© ImageFlow / stock.adobe.com

Review und Leitlinie

Ambulante antivirale COVID-19-Therapie: Was US-Wissenschaftler empfehlen

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram