Digitalisierung

Mehr Patientensicherheit durch E-Akte und Roboter?

Digitale Helfer vermeiden Behandlungsfehler und sparen dem System Milliarden. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit fordert mehr davon.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 13.09.2018, 18:32 Uhr
Mehr Patientensicherheit durch E-Akte und Roboter?

Digitalisierung: Gut für Arzt und Patient?

© everythingpossible / stock.adobe.com

BERLIN. Bei rund acht Millionen Patienten im Krankenhaus gibt es bei der Einweisung Hinweise auf eine bereits bestehende Fehlmedikation. Darauf hat das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) am Donnerstag in Berlin hingewiesen. "Das sind irre viele", sagte APS-Vorsitzende Hedwig François-Kettner. Der elektronische Medikationsplan und die Patientenakte müssten nun zügig kommen, um Fehlerquellen auszutrocknen.

Digitale Helfer können Behandlungsprozesse sicherer machen. Davon zeigen sich Vertreter des APS überzeugt. Digitale Anwendungen erhöhten den Informationsfluss, verbesserten die Kommunikation und vermieden Missverständnisse zwischen Haus- und Fachärzten, ambulantem und stationären Sektor sowie den Apotheken, sagte François-Kettner im Vorfeld des Internationalen Tags der Patientensicherheit am 17. September.

In die Praxis übersetzt, können das zum Beispiel elektronisch unterstützte Verfahren zur Arzneimitteltherapiesicherheit wie "Unit Dose" sein, das das Essener Universitätsklinikum einsetzt. Darauf verwies die Anästhesistin und APS-Vize Dr. Ruth Hecker.

Vorteile mit Robotern

Gute Erfahrungen mit der Digitalisierung liefere auch die roboterassistierte Chirurgie, berichtete Hecker. Patienten, die mit Robotern operiert worden seien, hätten früher entlassen werden können. Einen Beitrag dazu lieferten auch die Möglichkeiten der dreidimensionalen Orientierung der Operateure mittels Virtual Reality-Technik.

Zudem könnten die Ärzte Operationen bereits anhand von Modellen von Organen und Gelenken aus dem 3-D-Drucker vorbereiten. Datenbrillen, die während Operationen eingesetzt wurden, zeigten dem Operateur die exakte Position von Lymphknoten und ermöglichten so präzisere Behandlungen, sagte Hecker.

KI beim Röntgen

Dem Menschen überlegen werde in Zukunft auch die hinter der Röntgendiagnostik eingesetzte künstliche Intelligenz sein, sagte Hecker. Im Gegensatz zu Menschen übersähen diese Systeme kein Detail einer CT-Aufnahme. Auch das steigere die Patientensicherheit.

Unerwünschte Ereignisse in Kliniken sind teuer. Das APS-Weißbuch Patientensicherheit geht von Kosten zwischen zwei und vier Milliarden Euro im Jahr aus. Die OECD schätzt die Ausgaben für vermeidbare Patientenschäden in Deutschland auf 15 Prozent der Gesundheitsausgaben. Allein für die GKV wären das überflüssige Ausgaben von mehr als 30 Milliarden Euro im Jahr. Seiten 2 und 16

Patientensicherheit

  • Der internationale Tag der Patientensicherheit ist am Montag, 17. September.
  • Mehr Sicherheit in der Gesundheitsversorgung ist Thema auch des Global Ministerial Summit of Patient Safety, der vor drei Jahren von Großbritannien und Deutschland aufgelegt wurde. Inzwischen nehmen 40 Länder teil.
  • Die OECD schätzt, dass 15 Prozent aller Gesundheitsausgaben auf vermeidbare Patientenschäden zurückgehen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Schlankere Versorgung

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