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Nachfolge bei BÄK

Montgomery will eine Frau

Hat die Suche nach einem neuen BÄK-Chef bereits begonnen? Der amtierende Präsident hat jedenfalls genaue Vorstellungen – und wünscht sich den Tod der jetzigen elektronischen Gesundheitskarte.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Frank-Ulrich Montgomery hatte im Zuge des Ärztetages angekündigt, im kommenden Jahr nicht mehr als BÄK-Präsident anzutreten (Archivbild).

Frank-Ulrich Montgomery hatte im Zuge des Ärztetages angekündigt, im kommenden Jahr nicht mehr als BÄK-Präsident anzutreten (Archivbild).

© Alex Kraus

DÜSSELDORF. Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) Professor Frank Ulrich Montgomery fände es gut, wenn ihm eine Frau im Amt folgen würde. "Eine Nachfolgerin wäre nicht schlecht, weil die Mehrheit der Ärzteschaft weiblich ist", sagte er beim Branchentreff Düsseldorf IN. Auf jeden Fall sollte er oder sie jünger sein.

Er werde im kommenden Jahr 67 Jahre alt, das sei ein gutes Alter, um aufzuhören, betonte Montgomery bei der gemeinsamen Veranstaltung von Deutscher Apotheker- und Ärztebank, Rheinischer Post und Signa Property Funds. "Ich werde von den Entscheidungen, die ich treffe, selbst nicht mehr betroffen."

Der BÄK-Präsident ist optimistisch, dass der nächste Deutsche Ärztetag eine gute Nachfolgeregelung treffen wird. Er habe seine Entscheidung, nicht noch einmal anzutreten, extra ein Jahr im Voraus bekannt gegeben, damit den Protagonisten genug Zeit bleibe, sich zu streiten.

Bei der Antwort auf die Frage, mit welchen Leistungen er am liebsten im Gedächtnis bleiben möchte, siegte der ehemalige Marburger Bund-Chef über den BÄK-Präsidenten. Als seinen größten Erfolg sieht es Montgomery, maßgeblich an den Streiks beteiligt gewesen zu sein, die den Klinikärzten im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts rund 30 Prozent mehr Gehalt beschert haben. Davon hätten auch die niedergelassenen Kollegen profitiert. "Wenn das bleibt, ist es gut."

Gewerkschaftler fordert mehr Geld

Als Gewerkschafter sieht der Hamburger Radiologe eine Steilvorlage für Honorarforderungen in den Plänen der Bundesregierung, die Mindestsprechstundenzeit der Vertragsärzte von 20 Stunden auf 25 Stunden zu erhöhen. "Wenn mir jemand 25 Prozent mehr Arbeitszeit abverlangt, dann muss er auch 25 Prozent mehr bezahlen." Die Ärzteschaft sollte viel stärker auf diesen Zusammenhang aufmerksam machen, findet er. "Das versteht wohl auch die Bevölkerung."

Grundsätzlich ist Montgomery überzeugt, dass sich das Problem der Wartezeiten nie wird lösen lassen. "Denn der Patient erwartet, dass er den Arzt seines Vertrauens zum Termin seiner Wahl und möglichst noch abends um 22 Uhr sehen kann – das wird nicht gehen."

Handlungsbedarf sieht Montgomery bei der zunehmenden Inanspruchnahme von Klinikambulanzen durch Patienten, die eigentlich in die vertragsärztliche Versorgung gehören. Bei diesem Thema hofft er auf die künftigen Möglichkeiten der Fernbehandlung. "Damit könnte man Patienten ungeheuer viel schneller und präziser steuern."

Triagierung per Telefon?

Wenn Patienten bei der zentralen Notrufnummer 116 117 anrufen, könnte ein kompetenter Arzt über das weitere Vorgehen entscheiden. Der Erstkontakt müsse nicht zwingend ein Mediziner sein. "Wenn Sie in der Praxis anrufen, sprechen Sie ja auch zuerst mit der Medizinischen Fachangestellten."

Einen pragmatischen Ansatz hält Montgomery auch beim Thema Datenschutz für notwendig. Er müsse überarbeitet werden, findet er. "Da haben wir es in Deutschland ein bisschen bunt getrieben." Der Datenschutz muss nach seiner Ansicht so gestaltet werden, dass gerade mit Blick auf die Digitalisierung Fortschritte möglich werden sowie eine vernünftige epidemiologische Forschung.

Die Entscheidungshoheit des Patienten über die Speicherung der Daten müsse gewahrt sein. Viel Hoffnung setzt Montgomery in Apps und ihre Möglichkeiten.

Bei der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) würde er dagegen gern die berühmte Reset-Taste drücken. Das Konzept sei völlig veraltet. "Die eGK war eine Woche lang tot, und das fand ich gut."

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