Dramatischer Ärztemangel

Nach dem Brexit: EU-Ärzte meiden Großbritannien

Großbritannien braucht immer mehr Ärzte aus dem Ausland, um das Gesundheitswesen aufrecht zu erhalten, doch nach dem Austritt aus der Europäischen Union geben offenbar viele Kollegen Deutschland den Vorzug.

Veröffentlicht:
Der National Health Service braucht viele Ärzte aus dem Ausland, doch der Brexit hat die Anwerbung der Kollegen erschwert.

Der National Health Service braucht viele Ärzte aus dem Ausland, doch der Brexit hat die Anwerbung der Kollegen erschwert.

© Rasid Necati Aslim / AA / picture alliance

London. Jeder dritte Arzt, der im vergangenen Jahr in den National Health Service eingetreten ist, um dort zu praktizieren, kam aus dem Ausland. „Ohne ausländische Ärztinnen und Ärzte könnte unser Gesundheitswesen nicht mehr funktionieren“, stellte ein Sprecher des größten britischen Ärzteverbandes (British Medical Association, BMA) in London fest.

Die Zahl der aus dem Ausland auf die Insel kommenden Ärztinnen und Ärzte steigt zwar seit Jahren. Allerdings ist der jüngste Anstieg nach Einschätzung gesundheitspolitischer Kommentatoren im Königreich jedoch „sehr dramatisch“.

Anteil der EU-Mediziner hat sich halbiert

Interessant: während die Gesamtzahl und der Anteil ausländischer Mediziner stark steigt, sinkt aber die Zahl der aus der EU nach Großbritannien kommenden Ärztinnen und Ärzte. Laut Londoner Gesundheitsministerium hat sich der Anteil der EU-Mediziner seit der Vollendung des Brexit vor rund zwei Jahren mehr als halbiert.

„Der Brexit hat Großbritannien als Arbeitsplatz für qualifizierte Ärztinnen und Ärzte deutlich weniger attraktiv gemacht“, so die BMA. Die Organisation rechnet nicht damit, dass sich daran in den kommenden Jahren etwas ändern wird.

Aus deutscher Sicht interessant ist die Tatsache, dass laut Fernsehsender BBC Deutschland „einer der großen Konkurrenten“ sei, wenn es darum geht, Mediziner im Ausland anzuwerben. Oftmals ziehe Großbritannien dabei den kürzeren, da der staatliche britische Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) als Arbeitsplatz deutlich weniger attraktiv sei als zum Beispiel das deutsche Gesundheitswesen.

Mehr Ausbildung im eigenen Land gefordert

Die BMA und andere ärztliche Berufsorganisationen sprechen inzwischen offen von einem „Personalnotstand“ im NHS. Und sie fordern das Londoner Gesundheitsministerium dazu auf, „dringend“ mehr hausärztlichen und fachärztlichen Nachwuchs im eigenen Land auszubilden. Rekrutierung im Ausland sei „teuer“ und könne langfristig die Probleme im NHS nicht lösen, hieß es.

Auch beim Krankenpflegepersonal käme man auf der Insel nicht länger ohne im Ausland qualifizierte Fachkräfte aus. Laut der größten britischen Krankenpflegergewerkschaft (Royal College of Nursing, RCN) habe der Brexit zu einem regelrechten Massenexodus qualifizierter Pflegerinnen und Pfleger in Richtung EU geführt. Der NHS bemüht sich derzeit vor allem in Ländern wie Indien, Pakistan und den Philippinen um geschultes Fachpersonal für den Medizinsektor. (ast)

Mehr zum Thema

Lernen aus Erfahrungen mit der Corona-Pandemie

69 Millionen Euro aus Deutschland für Pandemie-Fonds

Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare lesen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Eine Aktion, zwei Abrechnungen

So lukrativ kann die COVID-Grippe-Impfung sein

Update AOK-Studie

COVID-19 trifft sozial schwache Kinder eher hart

Kassenfinanzen

Lauterbachs Spargesetz: Kein Rezept wider die Beitragswelle