Berufspolitik

"Nachtzuschlag 1,28 Euro - damit muss Schluss sein"

NIEDERNHAUSEN (chb). Der Marburger Bund will sich verstärkt dafür einsetzen, dass die Arbeitszeit von Ärzten an Krankenhäusern generell elektronisch erfasst wird. Dafür machte sich der Tarifexperte des Verbandes, Lutz Hammerschlag, bei der 115. Hauptversammlung der Ärztegewerkschaft stark.

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"Wenn ich sehe, wie sie bei den Arbeitszeiten betrogen werden, macht mich das sauer", sagte Hammerschlag vor den 204 Delegierten und erntete für seine kämpferische Rede viel Applaus. "Nur wenn Arbeitszeit richtig erfasst wird, gibt es eine leistungsgerechte Bezahlung", sagte er.

In diesem Zusammenhang appellierten einige Delegierte an ihre Kollegen in den Krankenhäusern, ihre Rechte, auch bei der Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes, offensiv einzufordern. Das ist aber unter den Klinikärzten nicht unumstritten. "Wir müssen bedenken, dass viele unserer Kollegen in Weiterbildung sind und befristete Verträge haben. Von denen kann ich nicht unbedingt erwarten, dass sie ihre Rechte einklagen", beschrieb Dr. Hans-Christoph Kühnau, Arzt und Betriebsratsvorsitzender an der Asklepios-Klinik St. Georg in Hamburg die Realität in vielen deutschen Krankenhäusern.

Autobauer bekommen nachts 30 Prozent mehr.

Ein weiterer Punkt, den der Marburger Bund öffentlich diskutieren will, sind die geringen Zuschläge für Nachtarbeit. So erhält ein Arzt für Nachtarbeit einen Zuschlag von 1,28 Euro pro Stunde. "Ich war in Österreich und habe das dort an Kliniken erzählt. Die haben gedacht, ich mache Witze", sagte Hammerschlag.

Verglichen mit der Vergütung in der Automobilindustrie seien die 1,28 Euro ein Scherz. Denn Autobauer erhielten zwischen 19 und sechs Uhr Zeitzuschläge von 30 Prozent, Mehrarbeit werde mit plus 16 Prozent und Samstagsarbeit nach 12 Uhr mit zusätzlichen 50 Prozent vergütet. "In deutschen Tarifverträgen ist einer mehr Wert, der ein Auto baut, als einer, der am Patienten arbeitet. Damit muss Schluss sein", forderte der Tarifexperte.

Ein weiteres großes Ziel des MB ist es, flächendeckend arztspezifische Tarifverträge anbieten zu können. Bislang gelten nur ungefähr für 60 Prozent aller angestellten und beamteten Ärzte Tarifverträge. Keine Abschlüsse gibt es bis jetzt unter anderem für katholische Krankenhäuser und Diakonie-Kliniken.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Kampf um Selbstverständliches

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