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Pflegereform ante portas

Zahl der Pflegebedürftigen schnellt auf über sechs Millionen hoch

Deutschland kriegt graue Haare – also steigt auch die Zahl der Menschen, die Pflegeleistungen beziehen!? Diese Gleichung springt zu kurz, wie aus aktuellen Zahlen des Medizinischen Dienstes Bund hervorgeht.

Veröffentlicht:
Bunter Rechenschieber, davor ein Bleistift.

Rechenhilfe: Der MD Bund wartet mit neuenen Zahlen zur Inanspruchnahme von Pflegeleistungen auf.

© Gerhard Seybert / stock.adobe.com

Berlin. Laut Daten des Medizinischen Dienstes Bund (MD) beziehen erstmals mehr als sechs Millionen Bundesbürger Leistungen der sozialen Pflegeversicherung. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Plus von rund 360.000 Fällen. Verglichen mit 2015 hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen mehr als verdoppelt.

Ein Grund für den steilen Anstieg ist die Pflegereform von 2017. Mit dieser wurde ein erweiterter Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt. Seither wird nach fünf Pflegegraden unterschieden, und es werden auch kognitive sowie psychische Einschränkungen bei der Eingruppierung durch die Medizinische Dienste berücksichtigt.

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Im Zusammenhang mit der geplanten Pflegereform – dem Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) – wird erwogen, die Schwellenwerte für die Eingruppierung anzuheben. Carola Engler, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des MD Bund, warnt allerdings vor Schnellschüssen.

„Bei allen nachvollziehbaren Diskussionen um die Anhebung der Schwellenwerte, darf die wichtige und immer noch richtige Intention der Pflegereform 2017 nicht aus dem Blick geraten: Wir müssen alles tun, um Versicherte dabei zu unterstützen, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder ihrer Verschlechterung aktiv entgegenzuwirken.“ Ziel der Medizinischen Dienste sei es, die Pflegebegutachtung zu einer „bedarfsorientierten und präventiven Impulsberatung“ weiterzuentwickeln.

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Der Vorstandschef beim GKV-Spitzenverband, Oliver Blatt, betont: Der Zugang zur Pflege funktioniere. Gleichwohl stelle der starke Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen die soziale Pflegeversicherung vor finanzielle und strukturelle Herausforderungen. Die müsse die Politik endlich angehen und dafür sorgen, dass das System zukunftsfest aufgestellt werde.

Laut Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) droht der Pflegeversicherung im nächsten Jahr ein Defizit in Höhe von 7,5 Milliarden Euro und im Jahr 2028 sogar ein Minus von bis zu 15 Milliarden Euro. (hom)

Weitere Erkenntnisse aus der MD-Statistik

  • 2025 wurden gut drei Millionen Versicherte begutachtet. Pflegegrad 1 erhielten 29 Prozent der Antragsteller; 34,5 Prozent Pflegegrad 2; 11,6 Prozent Pflegegrad 3. Weitere 2,6 Prozent bekamen Pflegegrad 4 und 0,9 Prozent Pflegegrad 5.
  • Bei gut 21 Prozent lag zum Begutachtungszeitpunkt kein Pflegegrad vor.
  • Mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen beantragte Pflegegeld (59,6 Prozent) und setzte auf Pflege in den eigenen vier Wänden durch Angehörige und ohne die Hilfe ambulanter Pflegedienste.
  • Gut elf Prozent beantragten ambulante Sachleistungen; 19,3 Prozent nutzten eine Kombi aus Geld- und Sachleistungen; 9,4 Prozent beantragten stationäre Leistungen.
  • Die Zahl der Begutachtungen bei pflegebedürftigen Kindern und Jugendlichen hat sich in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht: 2025 waren es 190.000.
  • Die häufigsten pflegebegründenden Diagnosen bei jungen Menschen sind ADHS und Entwicklungsstörungen.
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