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Kommentar

Noch einmal Glück gehabt

Von Thomas Müller Veröffentlicht:

Was haben wir als Kinder nicht für Unsinn gemacht: Mit dem Rad um die Wette abschüssige Waldwege hinuntergebrezelt – ohne Helm, versteht sich. Den Nachbarnjungen in den Teich geschmissen – zum Glück konnte er schon schwimmen. Sämtliche Kinderkrankheiten mitgenommen – Impfungen gab es kaum. Trotzdem alles gut gegangen, für die meisten von uns jedenfalls. Stolz zu sein braucht darauf aber niemand, denn letztlich hatten wir oft nur Glück. Das machen aktuelle WHO-Zahlen deutlich: So sind vor einem Vierteljahrhundert mehr als doppelt so viele Kinder in Europa gestorben wie heute, die meisten an Unfällen, viele aber auch an Infektionen. Kamen 1990 in Deutschland noch 455 Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren durch Verkehrsunfälle zu Tode, waren es laut WHO-Bericht 2016 noch 69 – ein Rückgang um 85 Prozent Ähnlich stark geschrumpft ist die Anzahl der ertrunkenen Kinder.

Es hat sich in puncto Sicherheit also einiges getan, und das ist ein großer Erfolg. Allerdings gibt es keinen Grund, sich auf die Schulter zu klopfen, denn die meisten Todesfälle bei Kinder wären nach wie vor vermeidbar: durch noch mehr Sicherheit im Straßenverkehr, konsequenteres Impfen und pränatale Prävention. Das sollten wir bei allem Jubel nicht vergessen. Seite 8

Lesen Sie dazu auch: Verkehrsunfälle sind Todesursache Nr. 1: Immer weniger Kinder sterben in Europa

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